Pflanzen bestimmen, bevor die Katze daran knabbert


Pflanzen bestimmen, bevor die Katze daran knabbert

Warum Handelsnamen oft nicht reichen und weshalb der botanische Name bei der Einschätzung der Giftigkeit wichtig ist.

Wer eine Pflanze für den Katzenhaushalt prüfen will, schaut meist auf den Namen im Handel. Das Problem: Diese Namen sind keine geschützten Fachbegriffe. Jeder Händler, jede Region und jeder Ratgeber nennt Pflanzen ein bisschen anders. Für die Giftigkeit ist das ein echtes Risiko, denn es gibt drei Fallen.

Falle 1: Derselbe Name, ganz verschiedene Pflanzen

Das beste Beispiel ist die "Lilie". Echte Lilien (Gattung Lilium) und Taglilien (Hemerocallis) sind für Katzen hochgiftig. Schon Blätter, Blütenblätter, Pollen oder das Vasenwasser können zu Nierenversagen führen. Trotzdem tragen viele völlig andere Pflanzen das Wort "Lilie" im Namen: Die Grünlilie (Chlorophytum) und die Inkalilie (Alstroemeria) gelten als ungiftig. Das Maiglöckchen (Convallaria majalis), die Calla (Zantedeschia) und die Friedenslilie (Spathiphyllum) sind jeweils auf eine andere Art giftig. Wer nur auf das Wort "Lilie" achtet, liegt also in beide Richtungen schnell falsch.

Bei "Palme" ist es ähnlich. Echte Palmen wie die Kentia (Howea forsteriana) gelten als ungiftig. Die Yucca-Palme ist botanisch gar keine Palme, und die Schusterpalme (Aspidistra) ist trotz ihres Namens ebenfalls keine, gilt aber als ungiftig. Auch die Efeutute (Epipremnum aureum) hat mit dem Efeu (Hedera helix) nichts zu tun.

Falle 2: Dieselbe Pflanze, viele Namen

Das Spathiphyllum heißt Einblatt, Friedenslilie, Scheidenblatt oder Löffelpflanze, je nachdem, wo ihr fragt. Die Efeutute läuft auch als Teufelsefeu oder Scindapsus. Wenn ihr eine Pflanze unter einem Namen als harmlos findet und unter einem anderen als giftig, kann es sich um ein und dieselbe Pflanze handeln, und ihr wisst nicht, welche Aussage stimmt.

Falle 3: Handelsnamen sind oft ungenau

Im Handel werden Zuchtformen und Sorten gern mit eigenen Fantasienamen verkauft. Ratgeberlisten nutzen außerdem unterschiedliche Quellen und messen unterschiedlich: Die eine Liste meint "lebensgefährlich", die andere "kann Erbrechen auslösen". Ohne den genauen Namen lässt sich das nicht auseinanderhalten.

Was der botanische Name leistet

Der botanische Name besteht aus Gattung und Art, zum Beispiel Ficus benjamina oder Lilium longiflorum. Er ist weltweit eindeutig. Damit könnt ihr in Giftpflanzenlisten gezielt nachschlagen oder beim Tierarzt genau nachfragen. Steht nur die Gattung da, etwa "Lilium spp.", sind mehrere Arten gemeint, die sich meist ähnlich verhalten. Ein Sortenname in Anführungszeichen dahinter ist nur die Zuchtform und für die Giftigkeit meist nebensächlich.

Zusätzlich hilft die Gattung oder Familie bei der ersten Einschätzung:

Aronstabgewächse wie Monstera (Monstera deliciosa), Einblatt (Spathiphyllum), Efeutute (Epipremnum aureum), Dieffenbachie (Dieffenbachia) und Zamioculcas enthalten Calciumoxalat-Kristalle. Sie reizen Maul und Rachen und führen zu Speicheln und Erbrechen.

Wolfsmilchgewächse wie der Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima) und Ficus-Arten wie Birkenfeige und Gummibaum (Ficus benjamina, Ficus elastica) haben einen Milchsaft, der Haut und Schleimhäute reizt.

Drachenbaum (Dracaena), Yucca und Bogenhanf (Sansevieria) enthalten Saponine. Sie gelten als eher leicht giftig und lösen Erbrechen und Durchfall aus.

Richtig gefährlich sind neben den Lilien auch Oleander (Nerium oleander), Rhododendron und Azaleen (Rhododendron) sowie die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale).

So kommt ihr an den botanischen Namen

Schaut auf den Pflanzenstecker oder das Etikett, dort steht er oft klein darunter. Fragt beim Kauf in der Gärtnerei nach. Bei Pflanzen ohne Namen helfen Bestimmungs-Apps wie Flora Incognita oder PlantNet, liegen aber nicht immer richtig. Vergleicht das Ergebnis deshalb immer mit einer Giftpflanzenliste.

Wenn die Katze schon geknabbert hat

Macht ein Foto von Blatt, Blüte und der ganzen Pflanze, nehmt einen Pflanzenrest mit und ruft sofort beim Tierarzt oder in der Tierklinik an. Bei Lilien nicht abwarten. Löst kein Erbrechen aus und gebt keine Milch oder Hausmittel, außer der Tierarzt sagt es.


Achtet immer auf den botanischen Namen!

Ein Schild mit "Lilie" sagt noch nicht, ob die Pflanze für eure Katze ungefährlich ist. Erst Gattung und Art, zum Beispiel Spathiphyllum oder Chlorophytum comosum, geben euch die Sicherheit, die ihr zum Nachschlagen in einer Giftpflanzenliste braucht.


Quellen: Botanikus, Tierklinik Hofheim, Patify, Green Petfood

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