Die Großmütter von Odesa – wenn Katzen wichtiger werden als die eigene Sicherheit
Während nachts Explosionen zu hören sind, Luftalarm ausgelöst wird und immer wieder der Strom ausfällt, beginnt für einige ältere Frauen in der südukrainischen Stadt Odesa am nächsten Morgen trotzdem derselbe Alltag: Sie nehmen Futter, Wasser und Medikamente und machen sich auf den Weg zu den Katzen.
Viele Tiere leben auf Hinterhöfen, zwischen verlassenen Gebäuden, bei geschlossenen Cafés und ehemaligen Sanatorien oder suchen Schutz dort, wo sich noch Menschen um sie kümmern.
Seit Beginn des Krieges ist ihre Zahl deutlich gestiegen. Manche Tiere wurden bei der Flucht ihrer Besitzer zurückgelassen, andere gingen während Evakuierungen verloren. Wieder andere wurden auf der Straße geboren.
Für einige dieser Katzen sind ältere Frauen inzwischen die einzigen Menschen, die noch regelmäßig nach ihnen sehen.
Olga und ihre Katzen
Eine dieser Frauen ist Olga. Obwohl sie über 70 Jahre alt ist, geht sie zu mehreren Futterstellen und versorgt zahlreiche Katzen.
Vor dem Krieg lebten dort nur wenige Tiere, die meist ausreichend versorgt waren. Inzwischen begegnet sie immer wieder dünnen, kranken und verlassenen Katzen.
Alle kann sie unmöglich in ihre Wohnung aufnehmen. Also versorgt sie sie dort, wo sie leben.
Futter und andere Dinge bezahlt sie teilweise von ihrer eigenen kleinen Rente, wenn gerade keine Hilfslieferungen verfügbar sind.
Für Olga ist die Frage, weshalb sie das auf sich nimmt, offenbar schnell beantwortet: Sie könnte die Tiere nicht einfach verhungern lassen.
Eine besondere Katze namens Lora
Unter den vielen Tieren gibt es natürlich auch solche, zu denen eine besonders enge Bindung entsteht.
Bei Olga ist das unter anderem Lora, auch „Chernushka“ genannt.
Die Katze hatte einen großen Tumor am Hals und musste mehrfach operiert und anschließend gepflegt werden. Aus einer der vielen Straßenkatzen wurde dadurch ein Tier, um das sich Olga besonders intensiv kümmerte.
Wer schon einmal eine kranke Katze über längere Zeit gepflegt hat, kennt wahrscheinlich dieses Gefühl: Irgendwann ist es nicht mehr einfach nur „eine Katze, die man versorgt“.
Sie gehört dazu.
40 Tiere und ein Tag, der kaum endet
Auch die 73-jährige Nataliia kümmert sich um eine große Zahl von Tieren.
Neben ihren eigenen Tieren versorgt sie zahlreiche Streuner. Insgesamt sind es etwa 40 Katzen und andere Tiere, um die sie sich kümmern muss.
Ihr Tag beginnt früh am Morgen und endet manchmal erst weit nach Mitternacht.
Füttern, Wasser verteilen, Katzentoiletten reinigen, kranke Tiere beobachten und nach schweren Angriffen kontrollieren, ob irgendwo ein Tier verletzt wurde, gehören zu ihrem Alltag.
Besonders schwierig wird es bei Strom- und Wasserausfällen.
Dann muss Wasser teilweise über viele Stockwerke getragen werden. Im Winter kommt hinzu, dass Wasser draußen einfrieren kann. Es wird aufgetaut, erwärmt und anschließend wieder zu den Tieren gebracht.
Und am nächsten Tag beginnt alles von vorn.
„Wer kümmert sich um die Katzen, wenn ich gehe?“
Diese Frage taucht bei vielen der älteren Tierbetreuerinnen immer wieder auf.
Nina Vasylivna Pavlenko ist über 70 und nahezu blind. Trotzdem kümmert sie sich seit Jahren um eine Kolonie von mehr als 30 Katzen.
Wenn Luftalarm herrscht, wartet sie, bis die unmittelbare Gefahr vorbei ist. Danach geht sie wieder hinaus zu den Tieren.
Auch ihr wurde geraten, die Stadt zu verlassen.
Doch für sie bedeutet eine Evakuierung auch, die Katzen zurückzulassen.
Und genau das kommt für sie nicht infrage.
Denn während ein Mensch möglicherweise anderswo Hilfe findet, bleiben die Tiere zurück und warten weiterhin an ihren vertrauten Futterstellen.
Katzen als Grund weiterzumachen
Antonina „Tosya“ Novytska beschreibt noch eine andere Seite dieser Beziehung.
Die Katzen, die sie aufgenommen hat und in einem alten Hof in Odesa versorgt, geben ihr nach Nächten voller Explosionen einen Grund, morgens wieder aufzustehen.
Damit helfen die Frauen nicht nur den Tieren.
Auch die Tiere helfen den Menschen.
Gerade ältere Menschen haben während des Krieges Familienmitglieder verloren, leben allein oder können und wollen ihre Heimat nicht mehr verlassen.
Dann kann eine Katze, die morgens auf ihr Futter wartet, plötzlich sehr viel bedeuten.
Sie braucht jemanden.
Und irgendwo braucht vielleicht auch dieser Mensch genau diese Katze.
Die „Grandmothers of Odessa“
Aus diesen Frauen entstand schließlich ein Name, unter dem ihre Arbeit inzwischen bekannt geworden ist:
„The Grandmothers of Odessa“ – die Großmütter von Odesa.
Es handelt sich nicht um ein klassisches Tierheim und auch nicht um eine große Organisation.
Es sind Menschen, die dort helfen, wo sie leben.
Unterstützt werden sie unter anderem mit Tierfutter und Hilfslieferungen von Tierschutz- und Hilfsorganisationen. Denn mit kleinen Renten lassen sich Dutzende Tiere auf Dauer kaum versorgen.
Und die Hilfe wird weiterhin gebraucht.
Tierheime und private Tierschützer in der Ukraine haben seit Beginn des Krieges unzählige zusätzliche Tiere aufgenommen. Gleichzeitig kümmern sich überall Menschen privat um Katzen und Hunde, für die schlicht kein Platz mehr vorhanden ist.
Zurücklassen ist für sie keine Option
Natürlich könnte man fragen, warum diese Frauen nicht einfach gehen.
Doch wer Katzen liebt, dürfte zumindest einen Teil der Antwort verstehen.
Man sieht ein Tier, das jeden Morgen an derselben Stelle wartet.
Dann werden daraus zwei.
Später zehn.
Man kennt irgendwann die scheue Katze, die erst kommt, wenn alle anderen verschwunden sind. Den alten Kater, der Medikamente braucht. Die Katze, die plötzlich nicht mehr frisst. Das junge Tier, das neu aufgetaucht ist.
Und irgendwann weiß man:
Wenn ich morgen nicht komme, wartet dort trotzdem jemand auf mich.
Die Großmütter von Odesa können den Krieg nicht beenden.
Sie können nicht jedes verlassene Tier retten.
Aber sie können dafür sorgen, dass ein Napf gefüllt wird, dass eine verletzte Katze behandelt wird und dass ein Tier noch einen Menschen hat, der nach ihm schaut.
Manchmal beginnt Tierschutz eben nicht mit einer großen Organisation.
Manchmal beginnt er mit einer älteren Frau, einer Tasche voller Katzenfutter und dem Entschluss:
„Ich lasse sie nicht allein.“ 🐈❤️
Photo © United for Animals
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OldKid ⁂fedibook.de⁂
Als Antwort auf Doris • • •@Doris und hier wie immer der passende (sommerliche) Song dazu. (Vorsicht ziemlich basslastig)
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Steffen 🦉🇪🇺 und Doris mögen das.
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Doris
Als Antwort auf OldKid ⁂fedibook.de⁂ • •Steffen 🦉🇪🇺 mag das.
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