Hat die Demokratie Grenzen?

Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Ich bin Vollbrutdemokrat und Europäer.

Vor kurzen habe ich mir die Frage gestellt: Wenn 100 Menschen, alles Demokraten, 100 total verschiedene Meinungen, Ansichten und Interessen haben, die sie jeweils vollständig erfüllt wissen wollen, wie sähe in diesem Fall eine demokratische Abstimmung aus? Ich vermute im Ergebnis keine Mehrheit. Das "Zauberwort" wäre dann: Kompromiss. Daraufhin kämen so viele Kompromisse ins Spiel (mit langen und schwierigen Verhandlungen untereinander), dass das Endergebnis irgendwie für alle unbefriedigend wäre und letztendlich nicht zielführend für die Gemeinschaft.

Also wo genau hat die Demokratie ihre Grenze(n)? Ich weiß es nicht.

#Demokratie #Politik #Abstimmung #demokratisch #Kompromiss

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Als Antwort auf Hajoda

Ich weiß. Und genau darum gehen mir diese und ähnliche Gedanken durch den Kopf. Meine mir selbst gestellte Frage ist rein theoretisch und bestimmt auch zu theoretisch oder sogar zu extrem. Ich mache mich damit auf eine in der Art deutlich abgeschwächte Möglichkeit der aktuellen Lage aufmerksam. Ich weiß tatsächlich nicht, ob es (rein theoretisch) eine Grenze in der Demokratie gibt. Wenn nicht, dann wird die Zukunft äußert gefährlich. Denn Nicht-Demokraten, derzeit als Demokraten getarnt, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit versuchen die Demokratie mit Hilfe der Demokratie abzuschaffen.
Als Antwort auf Steffen 🦉🇪🇺

@Steffen 🦉🇪🇺
Das ist genau der Punkt und die Schwachstelle der Demokratie. Ich denke, es besteht ein grundsätzliches Missverständnis darin, was Demokratie eigentlich bedeutet. Im Gegensatz zu Monarchien, Diktaturen etc., die ja ein in sich geschlossenes und unabänderliches System darstellen, kann eine Demokratie niemals einen endgültigen Zustand erreichen, sie ist quasi eine permanente Revolution, wenn man so will, und muss ständig und immer wieder aufs neue erstritten werden. Vielen ist das schlicht zu unbequem oder sie fühlen sich der Verantwortung nicht gewachsen. So sehnen sie sich nach einem "Guten König" oder einem "Führer", der die Welt für sie in ihrem Sinne richtet. Mit solchen Leuten ist kein (demokratischer) Staat zu machen.
Als Antwort auf Jörg 🇩🇪🇬🇧🇪🇺

Diese Frage stelle ich mir auch immer wieder. Einer meiner Gedanken war mal: Nicht alle können an allen Fragen zur Abstimmung teilnehmen. Das klingt erst mal schrecklich, aber bei genauerer Überlegung ... ?

Ein Vergleich: Bei einer eventuell notwendigen Herzoperation werden Fachspezialisten gefragt. Diese beraten sich und kommen zu einem Ergebnis.

Auf die Politik übertragen könnte es heißen: Nur fachlich wissende stimmen ab.

Zum Beispiel: Welche Belange müssen abgestimmt werden? Darüber dürfen alle abstimmen. Bei konkreten Fragen von zum Beispiel finanzpolitischen Belangen dürfen nur entsprechend ausgebildete Menschen abstimmen.

Ich weiß. Das ist jetzt alles etwas flach. Aber meiner Meinung nach sollten entsprechende Ministerien nur von dafür geeigneten Fachleuten besetzt werden und nicht von Ego getriebenen Politikern, die lediglich Ausstrahlung und Wirkung auf andere haben und dann sehr teure Fachberater benötigen, die von unseren Steuergeldern bezahlt werden.

Weiterhin sollte keinerlei Lobby Einfluss auf Politiker haben dürfen. Und entsprechende Massenbeeinflussungen bezüglich einer anstehenden Wahl sollten ebenfalls unterbunden werden.

Naja, das könnte man nun alles weiter vertiefen. Oder korrigieren. Ich weiß es tatsächlich eben auch nicht.

Als Antwort auf Steffen 🦉🇪🇺

Ja, da gehe ich mit. Ein so hohes Amt muss mit einer Person besetzt sein, die die Materie versteht und über eine entsprechende fachliche Qualifikation verfügt. Das sehe ich auch so. Und Lobbyismus ist für mich nur ein anderes Wort für Korruption. Auch wenn in der Regel kein geld fließt. Zumindest nicht direkt, aber möglicherweise indirekt.
Als Antwort auf Steffen 🦉🇪🇺

Ich denke, dass ein Aspekt auf alle Fälle ist, dass Demokratie an ihre Grenzen kommt, wenn Bildung vernachlässigt wird. Ich merke das bereits in meinen Kleingruppen (vier Schüler). Den Kindern fällt es unglaublich schwer, sich gemeinsam auf ein Spiel zu einigen. Da kann es schon passieren, dass jedes Kind ein anderes Spiel auswählt. Meist hilft dann auch kein gutes Zureden, sodass sie sich gemeinsam auf ein Spiel einigen. Jeder bleibt strikt bei seiner Auswahl und ein aufeinander zugehen ist nicht möglich. Ende des Liedes ist dann meistens, dass ich regulierend eingreifen muss, sonst kommen wir nicht zum Spielen. Aber vielleicht sollte ich die Situation einfach mal aussitzen, bis sich irgendjemand aus reiner Langeweile bewegt.
Als Antwort auf Sabine Kruber

Das ist interessant und trifft mein eingangs beschriebenes und stark konstruiertes Szenario. Wenn sich jedes Kind so stark auf sich selbst bezogen verhält und keinerlei Kompromissbereitschaft eingehen kann, ist das ein Zeichen dafür, dass im Prozess des Heranwachsens der Egoismus am stärksten und stabilsten ausgeprägt wird. An der Stelle würde ich Handlungsbedarf erkennen.
Als Antwort auf Sabine Kruber

Ist das tatsächlich nur dem Bildungssystem zuzuordnen? Die Eltern spielen in dem Fall doch auch eine wichtige Rolle. Oder?
Als wir (meine Generation) Kinder waren, haben wir uns viel draußen aufgehalten und miteinander sehr verschiedenes gespielt. Bei schlechten Wetter konnten wir uns gegenseitig besuchen und ebenfalls mit vielen Dingen beschäftigen. Das sehe ich heute nicht mehr in der Art.