Ich habe es heute an anderer Stelle bereits geschrieben: ich denke, Trumps „Amoklauf“ in Sachen Grönland hat sicherlich primär etwas mit seiner abnehmenden mentalen Gesundheit zu tun - aber andererseits scheint er inzwischen dumpf zu realisieren, dass die heute erfolgte Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens ihm seinen „wirtschaftlichen Hinterhof“ wegnimmt. Die südamerikanischen Staaten erhalten dadurch einen neuen bzw. erweiterten Markt für ihre Rohstoffe und Agrarprodukte (die bislang eher in ihrer Masse nach USA gingen), werden also nicht mehr so stark durch die USA erpressbar sein wie bisher, und andererseits gewinnt Europa z.B. für seinen Maschinenbau einen Markt, der bisher traditionell hauptsächlich durch US-Firmen beliefert wurde.
Mercosur bedeutet einen echten Verlust an Marktmacht für die USA - und damit verringert sich auch die politische Machtprojektion Washingtons auf den Süden des amerikanischen Doppelkontinents.
Trump mag die Monroe-Doktrin aus der Mottenkiste holen - mit Mercosur werden die USA deutlich wirtschaftlich in die Schranken gewiesen.
Dass Trump nun wie ein in die Enge getriebener Stier versucht, Attacken zu starten und Grönland in diesen Tagen für ihn einen willkommenen Zielpunkt darstellt, kann man psychologisch als Aktion eines inzwischen geistig nicht mehr ganz Zurechnungsfähigen nachvollziehen - wichtig wird sein, dass Europa nun zusammensteht, sich nicht durch wirtschaftspolitische Kleingeister ins Bockshorn jagen lässt und die neuen Möglichkeiten durch Merkosur wahrnimmt. In Südamerika gibt es durchaus noch eine hohe (mentale und sprachliche) Verbundenheit mit Südeuropa, nämlich Spanien und Portugal, aber durchaus auch zu Deutschland. Das gilt es nun zu nutzen.

Und eine Frage zum Schluss: wie wäre es, wenn Europa nun als Reaktion auf Trumps Zolldrohung ebenfalls Zölle androht auf Produkte wie Microsoft-Software, Facebook- und Amazon-Umsätze, und sich en passant damit von amerikanischer IT-Technik unabhängiger macht und stärker auf offene Produkte wie Linux, LibreOffice und das Fediverse setzt?

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Als Antwort auf Christoph Brodesser

Sehr schön geschrieben. Ich vermute zusätzlich, dass das gesteigerte Interesse Trumps an Grönland auch Kanada betreffen könnte. Er will / wollte auch auf Kanada zugreifen. Wenn er Grönland besitzt, könnte er Kanada bezüglich Erreichbarkeit zu Wasser und zu Luft in die Zange nehmen.