Diesen Artikel, auf den @Aubrieta in der von @Marcel Keienborg angestoßenen Diskussion hingewiesen hat, finde ich ausgesprochen bemerkenswert.

Für mich zeigt die Diskussion nämlich auch eine ganz andere Seite des Einsatzes von KI im Rechtsbereich: KI kann ein sehr hilfreiches Werkzeug sein, um Menschen überhaupt erst in die Lage zu versetzen, ihre Rechte wahrzunehmen.

Gerade im Sozialrecht halte ich diesen Aspekt für wichtig.

Wer auf Bürgergeld, Grundsicherung oder andere Sozialleistungen angewiesen ist, verfügt in aller Regel nicht über unbegrenzte finanzielle Möglichkeiten. Eine anwaltliche Beratung ist nicht für jeden ohne Weiteres erreichbar. Gleichzeitig stehen Betroffene Behörden gegenüber, die über Fachwissen, Personal und eingespielte Verwaltungsabläufe verfügen.

Hier kann KI helfen, dieses Ungleichgewicht zumindest ein Stück weit zu verringern.

Man kann sich einen Bescheid erklären lassen, nachfragen, welche Rechtsgrundlagen eine Rolle spielen, Widersprüche in einer Begründung suchen, sich unbekannte Begriffe erläutern lassen oder gemeinsam einen Widerspruch, Antrag oder eine Klage strukturieren und formulieren.

Das bedeutet für mich ausdrücklich nicht, der KI einfach einen Bescheid hinzuwerfen und anschließend ungeprüft 50 Seiten generierten Text beim Gericht einzureichen. 😉

KI kann Fehler machen, Urteile oder Rechtsgrundlagen falsch einordnen und Sachverhalte missverstehen. Deshalb muss der Mensch weiterhin selbst lesen, hinterfragen, Quellen prüfen und entscheiden, was am Ende tatsächlich abgeschickt wird.

Aber genau so verstehe ich KI: als Werkzeug.

Und als solches kann sie gerade Menschen helfen, die sich ansonsten vielleicht gar nicht gegen eine fehlerhafte Behördenentscheidung wehren würden.

Dass dadurch möglicherweise mehr Menschen Widerspruch einlegen oder vor einem Sozialgericht ihre Rechte einfordern, kann man als zusätzliche Belastung der Justiz betrachten. Man kann es aber auch andersherum sehen:

Vielleicht werden dadurch Entscheidungen häufiger hinterfragt, weil Betroffene erstmals die Möglichkeit haben, sich selbst ausreichend zu informieren und ihre Argumente verständlich zu formulieren.

Gerade angesichts verschärfter Mitwirkungspflichten und Sanktionen im Sozialbereich halte ich einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zum Recht für wichtiger denn je.

Wenn KI dazu beiträgt, dass das Recht nicht nur denen zugänglich ist, die sich professionelle Unterstützung leisten können, dann ist das für mich ein ziemlich gutes Beispiel für einen sinnvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Natürlich braucht es dabei Medienkompetenz, kritisches Denken und die Bereitschaft, Ergebnisse zu überprüfen.

Aber die Antwort auf neue technische Möglichkeiten sollte aus meiner Sicht nicht sein, den Zugang zum Recht wieder schwieriger zu machen. Sie sollte vielmehr darin bestehen, zu lernen, diese Werkzeuge verantwortungsvoll und sinnvoll einzusetzen.

Lesenswert dazu:
beck-aktuell.de/rechtsbranche/…

#KI #KünstlicheIntelligenz #Sozialrecht #Justiz #Digitalisierung #Fediverse

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Als Antwort auf Doris

Wenn jemand von einem Thema gar keine Ahnung hat, der wird das, was er aus dem LLM bekommt, das er bemüht, auch nicht verstehen und kann es daher nicht prüfen. So etwas geht in die Hose. Leute fragen, die sich wirklich auskennen, ist die einzig sinnvolle Herangehensweise. Wer das sein könnte, kann man schon mal in der Warteschlange bei der Tafel erfragen. Oder beim Pfarrer...
@Aubrieta @marcel