Farne im Katzenhaushalt: Welche sind sicher, welche heißen nur so?
Farne im Katzenhaushalt: Welche sind sicher, welche heißen nur so?
Farne sehen wunderschön aus und passen mit ihrem frischen Grün in fast jedes Zimmer. Für Katzenhalter stellt sich da schnell die Frage, ob sie ungefährlich sind. Die gute Nachricht: Die meisten echten Zimmerfarne sind es. Das Problem sind Pflanzen, die nur "Farn" heißen oder so aussehen. Deshalb gilt hier mehr als sonst: Der lateinische Name auf dem Etikett zählt, nicht der deutsche.
Was ist eigentlich ein echter Farn?
Farne sind uralte Pflanzen ohne Blüten, Früchte und Samen. Sie vermehren sich über Sporen, die meist in kleinen braunen Häufchen auf der Blattunterseite sitzen. Viele Halter erschrecken beim ersten Mal und halten das für Schädlinge, es ist aber völlig normal. Ein zweites Merkmal: Neue Wedel rollen sich wie ein Bischofsstab oder eine kleine Schnecke aus. Wer an einer "Farn"-Pflanze Blüten, Beeren, Zapfen oder Samen entdeckt, hat mit großer Sicherheit keinen echten Farn vor sich.
Diese echten Farne gelten als ungiftig
Die ASPCA, die wichtigste Datenbank für Pflanzen und Haustiere, führt auffällig viele echte Farne als ungiftig für Katzen:
- Schwertfarn / Boston-Farn (Nephrolepis). Der Klassiker unter den Zimmerfarnen und sehr gut belegt, mehrere Arten und Sorten sind dort einzeln gelistet.
- Geweihfarn (Platycerium bifurcatum). Wächst in der Natur auf Bäumen und lässt sich schön an der Wand oder auf einem Holzbrett aufhängen. Für andere Platycerium-Arten gibt es keinen eigenen Eintrag, aber auch keine Hinweise auf Giftigkeit.
- Hasenfußfarn / Rollfarn (Davallia). Bekannt für seine pelzigen Rhizome, die über den Topfrand kriechen und viele Katzen zum Spielen einladen. Ungiftig laut ASPCA und einer Universitätsquelle.
- Saumfarn (Pteris). Als Gattung ungiftig für Katzen gelistet.
- Sichelfarn / Ilexfarn (Cyrtomium falcatum) und Knopffarn (Pellaea rotundifolia). Beide gelten als ungiftig und sind ausgesprochen robust.
- Brutfarn (Asplenium bulbiferum). Ebenfalls ungiftig laut ASPCA.
Wichtig: "Ungiftig" heißt nicht "zum Fressen gedacht". Wer viel faseriges Pflanzenmaterial knabbert, kann sich übergeben, das ist dann eine Reaktion auf die Menge und nicht auf ein Gift.
Bei diesen Farnen ist die Datenlage dünn
Hier lohnt sich Ehrlichkeit, denn viele Ratgeber behaupten mehr, als sich belegen lässt:
- Nestfarn (Asplenium nidus). Händler schreiben häufig, die ASPCA führe ihn als ungiftig. Einen direkten Eintrag konnte die Recherche dafür nicht bestätigen. Es gibt aber keinen Hinweis auf Giftigkeit, er gilt als wahrscheinlich unbedenklich.
- Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium). Weder bei der ASPCA noch bei CliniTox, der Giftdatenbank der Universität Zürich, ließ sich eine Einstufung finden. Auch hier: kein Hinweis auf Giftigkeit, aber keine Garantie.
- Frauenhaarfarn (Adiantum). Die Quellen widersprechen sich, mal heißt es ungiftig, mal wird er ohne Quellenangabe als giftig für Katzen bezeichnet. Ein belegter Giftstoff oder ein dokumentierter Vergiftungsfall ist nicht bekannt, also wahrscheinlich unbedenklich. Da er ohnehin sehr empfindlich ist, ruiniert eine knabbernde Katze ihn schnell, ich würde ihn nicht auf den Boden stellen.
- Tüpfelfarn (Polypodium) und Goldtüpfelfarn (Phlebodium). Der Wurzelstock des heimischen Tüpfelfarns enthält süß schmeckende Stoffe und wirkt leicht abführend. Schwere Vergiftungen sind nicht beschrieben, größere Knabbermengen sollte die Katze aber nicht bekommen.
Echte Farne, die tatsächlich giftig sind
Adlerfarn (Pteridium aquilinum) und Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) sind echte Farne, die man eher im Garten und im Wald findet als im Blumentopf. CliniTox stuft den Adlerfarn als "sehr stark giftig" ein. Er enthält unter anderem das Enzym Thiaminase, das Vitamin B1 zerstört, dazu einen krebserregenden Stoff, und bleibt auch getrocknet giftig. Ehrlicherweise muss man dazusagen: Die dokumentierten Vergiftungen betreffen fast ausschließlich Pferde, Rinder, Schafe und Schweine, meist nach wochenlanger Aufnahme größerer Mengen. Katzenfälle sind nicht bekannt. Ein einmaliges Beknabbern im Garten ist kein Grund zur Panik, eine Katze, die regelmäßig daran kaut, sollte man aber fernhalten. In Vase oder Topf hat er nichts verloren.
Pflanzen, die nur "Farn" heißen
- Zierspargel, "Asparagus-Farn" (Asparagus densiflorus 'Sprengeri', Asparagus setaceus). Botanisch ein Spargelgewächs und mit dem Gemüsespargel verwandt, die fedrigen "Blätter" sind umgebildete Sprosse. Er blüht klein und weiß und bildet rote Beeren, was ein echter Farn nie tun würde. Laut ASPCA ist er giftig für Katzen, Wirkstoffe sind Sapogenine. Wiederholter Hautkontakt kann eine allergische Hautentzündung auslösen, beim Fressen der Beeren drohen Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall. In der Regel nicht lebensbedrohlich, aber trotzdem nichts für den Katzenhaushalt, vor allem nicht mit Beeren.
- Palmfarn / Sagopalme (Cycas, Zamia). Weder Palme noch Farn, sondern ein Nacktsamer, näher mit Nadelbäumen verwandt. Er bildet einen holzigen Stamm und Zapfen mit Samen und ist die gefährlichste Pflanze in diesem Beitrag. Der Wirkstoff Cycasin schädigt die Leber, laut ASPCA können schon ein bis zwei Samen tödlich sein. Auf Erbrechen und Durchfall können später Gelbsucht, Blutergüsse und Leberversagen folgen, die Leberschäden zeigen sich oft erst nach zwei bis drei Tagen. Deshalb gilt: bei jedem Verdacht sofort zum Tierarzt, auch ohne Symptome. Ausführlicher haben wir das schon im Beitrag über Palmen im Katzenhaushalt behandelt.
- Moosfarn (Selaginella kraussiana). Botanisch ebenfalls kein Farn, sondern ein Bärlappgewächs. Die ASPCA führt ihn als ungiftig, im Handel läuft er zur Weihnachtszeit oft als "Frosty Fern". Für andere Selaginella-Arten gibt es keinen eigenen Eintrag, aber auch keine Hinweise auf Giftigkeit.
- Fiederaralie (Polyscias) und Silbereiche (Grevillea robusta). Beide haben feines, farnartiges Laub. Polyscias guilfoylei ist bei der ASPCA als giftig gelistet (Saponine), für die farnblättrige Fiederaralie selbst fehlen belastbare Daten. Bei der Silbereiche sind die Angaben widersprüchlich, bekannt sind aber Inhaltsstoffe, die beim Menschen Allergien auslösen können. Mit knabberfreudigen Katzen würde ich beide lieber nicht aufstellen.
Achtung, Namensverwirrung bei der ASPCA
Wer dort auf Englisch nachschlägt, stolpert über verwirrende Namen:
- "Fern Palm" bedeutet Palmfarn (Cycas, Zamia) und ist hochgiftig
- "Feather Palm" bedeutet dagegen Schwertfarn und ist ungiftig
- "Winter Fern", "California Fern" und "Nebraska Fern" sind Beinamen des Gefleckten Schierlings (Conium maculatum), einer hochgiftigen Doldenblüte mit farnartigem Laub
- "Emerald Fern", "Lace Fern" und "Plumosa Fern" bedeuten Zierspargel und sind giftig
- "Moss Fern" und "Irish Moss" bedeuten Selaginella kraussiana und sind ungiftig
Katzengerecht aufstellen
Auch bei ungiftigen Farnen lohnt sich ein bisschen Vorsicht. Am schönsten und sichersten sind Hängeampeln, Wandhalterungen (der Geweihfarn wirkt so ohnehin am besten) oder hohe Pflanzenständer, die nicht als Sprungziel taugen. Ein helles Badezimmer ist für viele Farne ein guter Platz, weil sie dort die hohe Luftfeuchtigkeit bekommen, die sie lieben. Schwere Übertöpfe kippen nicht so leicht um, und Wasser im Übertopf sollte nicht stehen bleiben, denn Katzen trinken gern daraus, und dort sammeln sich Düngerreste. Eine Schicht grober Kieselsteine oder ein Abdeckgitter auf der Erde hält Katzen vom Buddeln ab. Oft ist nämlich gar nicht die Pflanze das Problem, sondern das, was im Topf steckt: Flüssigdünger, Düngestäbchen und Pflanzenschutzmittel können für Katzen schädlich sein. Deshalb Dünger nur verdünnt ins Gießwasser geben, keine Stäbchen offen in die Erde stecken und bei Schädlingen erst einmal abduschen statt sprühen. Und wenn die Katze gern knabbert, hilft ein eigenes Töpfchen Katzengras in der Nähe als erlaubte Alternative.
Kurz zur Pflege
Die meisten Zimmerfarne mögen es hell, aber ohne direkte Mittagssonne, gleichmäßig feuchte Erde ohne Staunässe und vor allem hohe Luftfeuchtigkeit. Braune Wedelspitzen im Winter sind meist ein Zeichen für zu trockene Heizungsluft. Gedüngt wird sparsam, etwa alle vier bis sechs Wochen in halber Konzentration. Beim Nestfarn nicht in die Mitte der Rosette gießen, sondern auf die Erde am Rand.
Die Kauf-Checkliste
1. Etikett umdrehen: Steht ein lateinischer Name drauf? Wenn nicht, lieber nachfragen oder nicht kaufen.
2. Den lateinischen Namen prüfen, "Farn" im Namen heißt gar nichts.
3. Warnnamen erkennen: Asparagus, Cycas, Zamia, Polyscias, Conium.
4. Auf Blüten, Beeren, Zapfen oder Samen achten: Dann ist es kein echter Farn.
5. Blattunterseite anschauen: Braune Sporenhäufchen sprechen für einen echten Farn.
6. Einen holzigen Stamm mit steifen, harten Wedeln meiden, so sieht der Palmfarn aus.
7. Feines Grün mit nadelartigen "Blättchen" und kleinen Dornen am Stiel deutet auf Zierspargel.
8. Das Etikett aufbewahren, im Notfall hilft es dem Tierarzt enorm.
Wenn die Katze doch etwas gefressen hat
Hat die Katze nur ein Stück Schwertfarn oder Geweihfarn gefressen und übergibt sich einmal, ist das meist harmlos, dann reicht Beobachten. Bei Verdacht auf eine giftige Pflanze zählt schnelles, ruhiges Handeln: Katze von der Pflanze trennen, Pflanzenreste, Etikett oder ein Foto sichern, ungefähre Menge und Uhrzeit merken und den Tierarzt oder die Tierklinik anrufen. Kein Erbrechen selbst auslösen und keine Hausmittel geben, das kann bei ätzenden Stoffen Maul und Speiseröhre zusätzlich schädigen. Bei Hautkontakt mit Pflanzensaft die Stelle mit lauwarmem Wasser abspülen.
Sofort zum Tierarzt geht es bei jedem Verdacht auf Palmfarn (auch ohne Symptome), bei Verdacht auf Schierling oder eine andere unbekannte Pflanze mit farnartigem Laub aus dem Garten und bei wiederholtem Erbrechen, blutigem oder schwarzem Kot, starkem Speicheln, Apathie, Taumeln, Zittern, Krämpfen, gelblichen Schleimhäuten oder Atemnot. Im Zweifel lieber einmal zu oft anrufen.
Kurz zusammengefasst
Wer Farne liebt und Katzen hat, muss auf keines von beiden verzichten. Schwertfarn, Geweihfarn, Hasenfußfarn, Saumfarn, Sichelfarn und Knopffarn sind nach ASPCA gut belegt ungiftig und eine schöne Wahl. Die Stolperfallen sind die Pflanzen, die nur so heißen: Zierspargel raus, Palmfarn erst gar nicht ins Haus und bei Fiederaralie und Silbereiche lieber vorsichtig sein. Draußen im Garten lohnt sich ein Blick auf den Adlerfarn. Mit dem lateinischen Namen auf dem Etikett, einem Platz in der Hängeampel oder im hellen Bad und etwas Katzengras als Ablenkung haben dann beide ihre Freude: der Farn und die Katze.
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