Umzug mit Katze: So gelingt der Wohnungswechsel stress arm


Umzug mit Katze: So gelingt der Wohnungswechsel stress arm

Für uns Menschen ist ein Umzug aufregend, oft sogar mit Vorfreude verbunden. Für Katzen ist er fast immer purer Stress. Katzen binden ihr Sicherheitsgefühl stark an ein vertrautes Revier, bekannte Gerüche und feste Abläufe, und genau das wird beim Umzug komplett auf den Kopf gestellt. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung, einem durchdachten Umzugstag und der richtigen Strategie beim Einzug lässt sich der Stress für eure Katze stark reduzieren.

Vorbereitung: Je früher, desto besser

Fachleute und Tierschutzorganisationen wie TASSO und VIER PFOTEN sind sich einig: Die Vorbereitung sollte mehrere Wochen vor dem eigentlichen Umzug beginnen, nicht erst am Vorabend.

Transportbox eingewöhnen. Der wichtigste Punkt zuerst: Die Transportbox sollte schon Wochen vorher zu einem normalen Möbelstück in der Wohnung werden, nicht erst am Umzugsmorgen aus dem Keller geholt werden. Stellt sie offen und zugänglich als Ruheplatz auf, legt eine vertraute Decke hinein und werft gelegentlich Leckerlis oder Spielzeug hinein. Wenn die Katze freiwillig hineingeht, dort frisst oder sogar schläft, habt ihr schon gewonnen. Übt später auch das kurze Schließen der Tür und das Hochheben, damit das am Umzugstag nicht die erste Erfahrung damit ist. Eine stabile Box mit Öffnung von oben erleichtert das Hineinsetzen deutlich, und sie sollte zur Katze passen: groß genug zum Umdrehen, aber nicht so groß, dass die Katze bei der Fahrt hin und her rutscht.

Tierarztbesuch vorab. Ein Gesundheitscheck vor dem Umzug ist sinnvoll, besonders bei älteren oder chronisch kranken Katzen, weil Stress bestehende Probleme an Zähnen, Nieren oder Herz verstärken kann. Dabei lässt sich auch gleich der Impfstatus prüfen und, falls gewünscht, über Beruhigungsmittel oder Pheromonprodukte sprechen. Wichtig: Ein neues Beruhigungsmittel niemals zum ersten Mal am Umzugstag selbst ausprobieren, sondern vorher testen und mit dem Tierarzt abstimmen. Bei Dauermedikamenten sollte genug Vorrat vorhanden sein, damit der Wechsel zur neuen Praxis nicht zum Versorgungsproblem wird.

Chip und Registrierung aktualisieren. Das ist organisatorisch der wichtigste Einzelschritt überhaupt. Lasst den Chip einmal auslesen und mit dem Registereintrag vergleichen, dann die Adresse bei TASSO und/oder FINDEFIX (dem kostenlosen Register des Deutschen Tierschutzbundes) aktualisieren. Nur mit aktuellen Kontaktdaten kann eine entlaufene Katze wieder zu euch zurückfinden, und genau das Fluchtrisiko ist rund um einen Umzug deutlich erhöht: offene Türen, fremde Möbelpacker, ein unbekanntes neues Revier.

Vorräte und Verpacken. Besorgt rechtzeitig einen Wochenvorrat an Futter und Streu für die ersten Tage nach dem Umzug, damit direkt nach dem Einzug nichts fehlt. Beim Packen gilt: Das "Refugium" der Katze, also Lieblingsplatz, Kratzbaum, Näpfe und Katzenklo, möglichst als Letztes abbauen. Dieser Raum sollte so lange wie möglich unverändert bleiben, damit die Katze noch einen vertrauten Rückzugsort hat, während der Rest der Wohnung schon in Kartons verschwindet. Und: Decken und Kissen der Katze jetzt nicht extra waschen, der vertraute Geruch ist gerade jetzt wertvoll.

Miete klären. Falls ihr in eine Mietwohnung zieht: Klärt die Katzenhaltung schriftlich mit dem Vermieter, bevor ihr unterschreibt. Ein pauschales Verbot der Katzenhaltung in Formularmietverträgen ist laut BGH-Rechtsprechung unwirksam, der Vermieter kann die Haltung aber von seiner Zustimmung abhängig machen. Am besten also vorher schriftlich absichern, statt sich später darauf zu verlassen.

Umzug ins Ausland. Wer mit der Katze ins EU-Ausland zieht, braucht EU-Heimtierausweis, Mikrochip und eine gültige Tollwutimpfung. Wichtig: Der Chip muss vor der Tollwutimpfung gesetzt sein, sonst wird die Impfung nicht anerkannt, und die Erstimpfung gilt erst 21 Tage nach der Verabreichung als gültig. Das bedeutet: bei Auslandsumzügen sehr frühzeitig planen, nicht erst wenige Wochen vorher.

Der Umzugstag selbst

Am Umzugstag ist die Wohnung voller fremder Menschen, offener Türen und ungewohnter Geräusche, für eine Katze eine der stressigsten Situationen überhaupt. Es gibt zwei bewährte Varianten, damit die Katze davon möglichst wenig mitbekommt.

Variante 1: Ein gesicherter Nebenraum. Sucht euch ein Zimmer aus, das die Möbelpacker als Letztes ausräumen, oder das schon leer ist, zum Beispiel ein Bad oder ein kleines Gästezimmer. Die Katze kommt dort morgens hinein, bevor die ersten Helfer eintreffen, mit Katzenklo, Wasser, einer Versteckmöglichkeit und der Transportbox. An die Tür gehört ein gut sichtbares Schild, etwa "Katze im Zimmer, bitte nicht öffnen", denn Möbelpacker öffnen erfahrungsgemäß jede Tür, wenn sie nicht ausdrücklich davon abgehalten werden. Informiert alle Helfer mündlich zusätzlich, ein Schild allein reicht nicht immer. Dieser Raum wird konsequent nicht betreten, bis alles andere fertig verpackt ist, und er wird als einer der letzten Räume geräumt.

Variante 2: Betreuung außer Haus. Oft ist das die stressärmere Lösung: Die Katze verbringt den Umzugstag bei einer vertrauten Person oder in einer Tierpension, im Idealfall bei jemandem, der sie schon kennt und der sie auch ein paar Tage vor und nach dem Umzug betreuen kann. Bei einem fremden Sitter lohnt sich vorher ein Kennenlerntermin, damit die Katze nicht direkt am Umzugstag auf eine unbekannte Person und eine unbekannte Umgebung trifft.

Freigänger nicht rauslassen. Freigängerkatzen sollten schon am Vortag des Umzugs nicht mehr nach draußen. Das ist zwar für einen Tag lästig, aber deutlich besser, als das Risiko einzugehen, dass die Katze ausgerechnet am Umzugstag nicht rechtzeitig zurückkommt.

Der Transport. Die Box gehört im Auto immer gesichert und angeschnallt, nicht lose auf dem Rücksitz oder im Kofferraum. Freies Mitfahren ohne Sicherung ist in Deutschland sogar eine Ordnungswidrigkeit, weil eine Katze rechtlich als Ladung gilt, und bei einem Unfall kann die ungesicherte Box durchs Auto geschleudert werden. Eine leichte Decke über der Box dämpft Reize und wirkt beruhigend, im Sommer aber unbedingt auf ausreichend Luft achten. Bei Pausen gilt: erst alle Türen schließen, dann erst nach der Katze sehen, und die Box niemals an einem belebten Rastplatz öffnen, das Fluchtrisiko ist dort enorm. Und ganz wichtig, gerade im Sommer: Die Katze nie allein im Auto zurücklassen, die Innentemperatur steigt dort extrem schnell an, auch bei leicht geöffnetem Fenster.

Ankunft: Erst ein Zimmer, dann die ganze Wohnung

Die Katze zieht am besten ganz zum Schluss in die neue Wohnung ein, erst wenn Möbel, Kartons und der gröbste Trubel schon drin sind. So trifft sie auf eine Umgebung, in der es nicht mehr ständig klingelt, poltert und fremde Menschen durch die Tür kommen, sondern auf eine vergleichsweise ruhige Wohnung. Im neuen Zuhause gilt dann das gleiche Prinzip wie am Umzugstag, nur umgekehrt: nicht die ganze Wohnung auf einmal, sondern zuerst ein einziger ruhiger Raum. Diese sogenannte Ein-Zimmer-Methode gilt als die verhaltenswissenschaftlich am besten abgesicherte Vorgehensweise für eine stressarme Eingewöhnung.

Richtet vorab einen Raum mit allem ein, was die Katze braucht: Katzenklo, Futter- und Wassernapf räumlich getrennt vom Klo, eine Kratzmöglichkeit, Verstecke und erhöhte Liegeplätze, sowie die vertraute, ungewaschene Decke. Stellt die geschlossene Transportbox in diesem Raum ab, öffnet die Tür und zieht euch zurück. Lasst der Katze die Zeit, von selbst herauszukommen, auch wenn das Stunden dauern kann. Verkriecht sie sich unter einem Möbelstück, zieht sie nicht heraus, solange der Ort sicher ist. Ein freiwilliges Verlassen des Verstecks ist immer besser als erzwungener Kontakt.

Erst wenn die Katze in diesem ersten Raum entspannt frisst, das Klo nutzt, normal schläft und ohne Scheu erkundet, öffnet ihr schrittweise weitere Räume, nicht alle auf einmal. Wie lange das dauert, bestimmt die Katze, nicht ein fester Zeitplan. Bei reinen Wohnungskatzen kann die Eingewöhnung in der gesamten Wohnung ein bis zwei Wochen dauern.

Sicherheitscheck vor dem Einzug. Bevor die Katze überhaupt einen Raum betritt, sollte er katzensicher sein. Die größte und häufigste Gefahr sind gekippte Fenster: Katzen versuchen durch den Spalt zu klettern, rutschen ab und bleiben im spitz zulaufenden Schlitz stecken, das kann zu schwersten Verletzungen führen. Fenster daher grundsätzlich nicht ungesichert kippen, notfalls ein Kippschutzgitter anbringen. Auch Balkon und offene Fenster brauchen ein stabiles, engmaschiges Katzennetz, normale Fliegengitter halten dem Gewicht einer Katze nicht stand. Prüft außerdem giftige Zimmerpflanzen, lose Kabel, die Waschmaschinentrommel und mögliche Verstecke, in denen sich die Katze einsperren könnte.

Vertraute Gerüche und Routine. Behaltet in den ersten Wochen möglichst die gewohnten Näpfe, das gewohnte Futter und die gewohnte Fütterungszeit bei, auch wenn ihr eigentlich gerne alles neu einrichten würdet. Der halb zerkratzte alte Kratzbaum ist der Katze gerade jetzt wichtiger als das schicke neue Modell. Ein Pheromon-Stecker (zum Beispiel mit dem Wirkstoff Feliway Classic) kann als ergänzende, nebenwirkungsarme Unterstützung helfen, die Studienlage dazu ist allerdings gemischt, und er ersetzt keine gute Vorbereitung und keine Geduld.

Freigang neu starten

Freigänger müssen sich erst an das neue Revier binden, bevor sie wieder nach draußen dürfen. Als Faustregel gelten mindestens vier bis sechs Wochen reiner Wohnungsaufenthalt, im Zweifel lieber die vollen sechs Wochen einplanen als zu früh zu öffnen. Bei ängstlichen oder sehr revierfixierten Katzen darf es auch länger sein. Grundsätzlich gilt: Je näher die alte Wohnung liegt, desto länger sollte die Eingewöhnung dauern, damit die Katze nicht einfach zum alten Zuhause zurückläuft. Passiert das doch, hilft nur, von vorne zu beginnen.

Anzeichen, dass die Katze bereit ist: Sie frisst sicher, geht normal zur Toilette, schläft entspannt und reagiert zuverlässig auf euch. Der erste Freigang sollte tagsüber im Hellen stattfinden, kurz vor der Fütterung, damit der Hunger die Katze zurückholt. Ein Geschirr mit Leine oder ein gemeinsamer erster Erkundungsgang können zusätzliche Sicherheit geben.

Wenn etwas nicht rundläuft

Verstecken, Unsauberkeit, Appetitlosigkeit, übermäßiges Putzen oder vermehrtes Miauen nach dem Umzug sind zunächst normale Stresssymptome und legen sich meist nach ein bis zwei Wochen von selbst. Wichtig zu wissen: Dieselben Anzeichen können aber auch auf eine körperliche Erkrankung hindeuten, etwa eine Blasenentzündung bei Unsauberkeit oder eine Nierenerkrankung bei Appetitlosigkeit. Als Faustregel gilt: Halten die Symptome länger als ein bis zwei Wochen an, treten mehrere gleichzeitig auf, oder verweigert die Katze länger als 48 Stunden das Fressen, gehört das tierärztlich abgeklärt.

Mehrere Katzen im Haushalt

Nach einem Umzug ist das gesamte gemeinsame Revier neu, auch Katzen, die sich vorher gut verstanden haben, können deshalb vorübergehend in Konflikt geraten. Als Faustregel für Ressourcen gilt: ein Napf, ein Katzenklo, ein Kratzbaum und ein Ruheplatz pro Katze, plus jeweils eins zusätzlich, räumlich verteilt, damit keine Katze eine Ressource für sich blockieren kann. Bei anhaltenden Spannungen, wenn eine Katze zum Beispiel regelmäßig vom Fressen oder vom Katzenklo ferngehalten wird, ist getrennte Eingewöhnung mit schrittweiser Wiederannäherung sinnvoll, notfalls mit Unterstützung durch eine Katzenverhaltensberatung.

Ein Umzug mit Katze braucht also vor allem eins: Vorlauf. Wer die Transportbox rechtzeitig einführt, den Umzugstag gut organisiert und im neuen Zuhause der Katze die Zeit gibt, die sie braucht, kommt in den allermeisten Fällen gut durch die Umstellung, auch wenn es hier und da mal ein paar Tage länger dauert als erhofft.


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