Wie putzen sich Katzen eigentlich? Eine neue Studie schaut genau hin
Katzen putzen sich gefühlt dauernd. Tatsächlich macht die Fellpflege etwa 4 Prozent ihres Tages aus. Damit ist sie nach der Futtersuche die zweitgrößte Beschäftigung, wenn sie wach sind. Ein französisches Forschungsteam der Tierärztlichen Hochschule Alfort hat sich jetzt angesehen, wie dieses Putzen genau abläuft.
So wurde geforscht
Die Besitzer haben ihre Katzen zu Hause beim Putzen gefilmt. Insgesamt wurden 118 Videos ausgewertet. Dabei waren 29 gesunde Katzen (Kurzhaar, Langhaar und Nacktkatzen) und 7 Katzen mit psychogener Alopezie. Das ist ein stressbedingter Haarverlust, der nicht durch Parasiten, Allergien oder Krankheiten ausgelöst wird.
Was bei gesunden Katzen herauskam
- Ein Putzdurchgang dauert im Schnitt knapp 5 Minuten. Die Haarlänge spielt dabei keine Rolle.
- Fast alle Durchgänge (95 Prozent) umfassen zwei bis sieben Körperteile, meistens fünf. Nur 2 Prozent beschränken sich auf eine einzige Stelle.
- Am meisten Zeit bekommen Brust und Flanken, Vorderbeine, Hinterbeine und Kopf. Lippen und unterer Rücken kommen am kürzesten dran.
- Hauptsächlich wird geleckt. Bei Kurz- und Langhaarkatzen sind das gut 60 Prozent der Putzzeit.
Nacktkatzen putzen etwas anders
Sphynx und Co. knabbern länger an ihrer Haut als Kurzhaarkatzen. Die Forscher vermuten einen Zusammenhang mit der besonderen Haut und Haarstruktur dieser Rassen. Außerdem leben auf ihrer Haut mehr Hefepilze der Gattung Malassezia. Bewiesen ist das nicht, es ist eine Vermutung des Teams. Es ist übrigens die erste Beschreibung des Putzverhaltens von Nacktkatzen.
Wenn Putzen zu viel wird
Bei den Katzen mit psychogener Alopezie dauerten die Putzdurchgänge nicht länger als bei gesunden Katzen. Der Unterschied lag in der Art des Putzens:
- Sie kauten etwa zehnmal länger an Fell und Haut (42 Prozent der Putzzeit gegenüber knapp 6 Prozent bei gesunden Kurzhaarkatzen).
- Dafür leckten sie weniger (rund 43 gegenüber 66 Prozent).
- Sie putzten pro Durchgang weniger Körperstellen (im Schnitt 3,8 statt 5).
- Die Innenseiten der Hinterbeine bekamen mehr Aufmerksamkeit, der Hals weniger.
Die Forscher vermuten, dass diese Katzen sich eher die Haare mit den Zähnen ausziehen, als sie zu belecken. Das erinnert an die Trichotillomanie beim Menschen. Die Studie spricht dafür, die psychogene Alopezie als wiederholtes Zwangsverhalten einzuordnen.
Was das für uns heißt
Wer seine Katze gut kennt, bemerkt Veränderungen beim Putzen oft früh: kahle Stellen, ständiges Knabbern an derselben Stelle, auffällig kurze Putzrunden. Haarverlust hat bei Katzen meist andere Ursachen wie Juckreiz durch Allergien oder Parasiten. Deshalb gehört er zuerst in die Hände der Tierarztpraxis.
Wichtig zur Einordnung
Die Stichprobe war klein, und die Besitzer haben selbst gefilmt, meist tagsüber und in der Freizeit, nie nachts. Die Ergebnisse sind deshalb ein erster Einblick und keine endgültige Antwort.
Quelle: Guillon M., Naudin L., Cochet-Faivre N., Titeux E., Gilbert C.: "Exploring Normal to Abnormal Variations of Grooming Behaviours in Cats", Veterinary Dermatology 2026; 37:865–875, Open Access, doi.org/10.1111/vde.70109
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