Katzenfutter richtig lesen – was die Angaben auf der Verpackung wirklich bedeuten
Katzenfutter richtig lesen – was die Angaben auf der Verpackung wirklich bedeuten
Wenn du eine Futterdose oder einen Trockenfutterbeutel umdrehst, siehst du dort eine ganze Reihe Begriffe, die erst einmal wenig sagen. Rohprotein, Rohasche, pflanzliche Nebenerzeugnisse oder analytische Bestandteile, das klingt eher nach Chemieunterricht als nach Katzenfutter.
Dabei stehen genau dort die Informationen, die wirklich wichtig sind. Während auf der Vorderseite der Verpackung oft große Versprechen stehen, findest du auf der Rückseite die nüchternen Fakten über die Zusammensetzung des Futters.
Mit ein wenig Hintergrundwissen lässt sich diese Sprache aber gut entschlüsseln. Wenn du weißt, was hinter Begriffen wie Rohprotein, Rohasche oder tierischen Nebenerzeugnissen steckt, kannst du Futtersorten deutlich besser vergleichen und schneller erkennen, wie ein Produkt tatsächlich zusammengesetzt ist.
Die gesetzlichen Grundlagen der Futtermittelkennzeichnung
Die Angaben auf einer Katzenfutter-Verpackung sind nicht einfach frei erfunden. Hersteller dürfen nicht beliebig drauf schreiben, was sie möchten. In der EU gibt es klare gesetzliche Regeln dafür, welche Informationen auf einem Futtermittel stehen müssen, unter anderem die Bezeichnung des Futters, die Tierart, die Zusammensetzung der Zutaten, die analytischen Bestandteile, enthaltene Zusatzstoffe, Fütterungsempfehlungen, Herstelleradresse, Mindesthaltbarkeitsdatum und Partienummer.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen den Futtermittelarten. Alleinfuttermittel sind so zusammengesetzt, dass sie bei ausschließlicher Fütterung den gesamten Nährstoffbedarf deiner gesunden Katze decken. Ergänzungsfuttermittel enthalten dagegen nicht alle notwendigen Nährstoffe und sind nur als Zugabe zu anderem Futter gedacht. Daneben gibt es noch Einzelfuttermittel, die im Wesentlichen aus einem einzigen Rohstoff bestehen, zum Beispiel reines Trockenfleisch oder Fischöl.
Die Zutatenliste – was die Zusammensetzung wirklich bedeutet
Unter der Überschrift "Zusammensetzung" steht die Liste der verwendeten Zutaten, in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Die Zutat mit dem größten Anteil steht also an erster Stelle. Steht "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" ganz vorne, ist das der Hauptbestandteil des Futters, steht Getreide vorne, macht das einen entsprechend großen Teil der Rezeptur aus.
Wie transparent das ist, hängt von der Art der Deklaration ab:
Bei der geschlossenen Deklaration werden Zutaten in Gruppen zusammengefasst, etwa "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" oder "pflanzliche Nebenerzeugnisse". Das gibt dem Hersteller Flexibilität, ist für dich aber wenig aussagekräftig, denn dahinter kann sich Geflügel, Rind, Schwein oder eine Mischung verbergen.
Bei der halboffenen Deklaration werden die Gruppen weiterhin genannt, aber einzelne wichtige Bestandteile genauer angegeben, zum Beispiel "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (davon 15 % Huhn)". Du weißt dann zumindest, welcher Anteil aus Huhn besteht.
Am transparentesten ist die offene Deklaration, bei der die Zutaten einzeln mit ihrem prozentualen Anteil genannt werden, etwa "30 % Hühnermuskelfleisch, 20 % Hühnerherzen, 10 % Hühnerleber". So siehst du sehr genau, was tatsächlich drinsteckt.
Ein Begriff, der oft für Verwirrung sorgt, ist "tierische Nebenerzeugnisse". Viele verbinden damit automatisch minderwertige Zutaten, tatsächlich gehören dazu aber auch sehr wertvolle Bestandteile: Innereien wie Herz, Leber, Lunge oder Nieren liefern wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren, in der Natur würde deine Katze ihre Beute schließlich auch vollständig fressen und nicht nur das Muskelfleisch. Problematisch wird der Begriff eigentlich nur bei einer geschlossenen Deklaration, wenn du nicht erkennen kannst, was genau in der Gruppe steckt.
Warum vorne groß "Huhn" steht, obwohl nur 4 % enthalten sind
Auf der Vorderseite steht groß "mit Huhn", vielleicht sogar mit einem großen Hühnerbild, drehst du die Packung um, findest du in der Zusammensetzung nur "4 % Huhn". Das wirkt widersprüchlich, ist aber klar geregelt: In der EU gilt die sogenannte 4-Prozent-Regel. Wenn "mit Huhn" auf der Verpackung steht, müssen mindestens 4 Prozent dieses Bestandteils enthalten sein, mehr nicht zwingend. Der restliche Fleischanteil kann aus anderen Tierarten stammen, die unter der Sammelbezeichnung "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" laufen, ohne auf der Vorderseite besonders hervorgehoben zu werden.
Diese Regel gilt übrigens abgestuft für verschiedene Formulierungen: "reich an Huhn" verlangt mindestens 14 Prozent, "Huhn-Menü", "Huhn-Dinner" oder "Huhn-Paté" mindestens 26 Prozent, und "Huhn" oder "100 % Huhn" direkt im Produktnamen erfordert einen sehr hohen Anteil, meist etwa 70 Prozent oder mehr. Das gilt nicht nur für Huhn, sondern genauso für Rind, Lachs oder Thunfisch.
Für dich heißt das: Die Vorderseite dient in erster Linie der Werbung. Wenn du wissen willst, was wirklich im Futter steckt, lohnt sich immer der Blick auf die Zusammensetzung und die analytischen Bestandteile auf der Rückseite.
Die analytischen Bestandteile – was Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit bedeuten
Neben der Zutatenliste findest du auf jeder Verpackung die analytischen Bestandteile, Laborwerte, die Auskunft über die grundlegende Zusammensetzung des Futters geben. Diese Werte helfen dir beim Vergleich verschiedener Futtersorten, sollten aber immer zusammen mit der Zutatenliste betrachtet werden, ein einzelner Wert allein sagt noch nichts über die Qualität aus.
Rohprotein gibt an, wie viel Gesamtprotein im Futter enthalten ist. Eiweiß ist für deine Katze besonders wichtig, weil ihr Stoffwechsel stark auf eine proteinreiche Ernährung ausgerichtet ist. Typische Werte liegen bei etwa 8 bis 12 Prozent bei Nassfutter und 25 bis 40 Prozent bei Trockenfutter, der große Unterschied liegt vor allem am Wassergehalt, dazu gleich mehr. Wichtig: Der Rohproteinwert allein sagt nichts über die Qualität der Proteinquelle aus, ein hoher Wert kann sowohl aus hochwertigen tierischen als auch aus pflanzlichen Eiweißquellen stammen, deshalb lohnt sich immer auch der Blick auf die Zutatenliste.
Rohfett umfasst alle enthaltenen Fette und Öle, wichtig als Energielieferant und für essentielle Fettsäuren, die unter anderem Haut und Fell deiner Katze zugutekommen. Typische Werte liegen bei 4 bis 8 Prozent bei Nassfutter und 10 bis 20 Prozent bei Trockenfutter, ein höherer Fettanteil bedeutet in der Regel auch eine höhere Energiedichte.
Rohfaser bezeichnet unverdauliche pflanzliche Bestandteile, also Ballaststoffe, die die Verdauung unterstützen können. Typische Werte liegen bei 0,3 bis 1 Prozent bei Nassfutter und 1 bis 4 Prozent bei Trockenfutter.
Rohasche sorgt häufig für Verwirrung, viele vermuten dahinter verbrannte oder minderwertige Bestandteile. Tatsächlich beschreibt Rohasche den Mineralstoffgehalt des Futters, also zum Beispiel Kalzium, Phosphor, Magnesium oder Kalium. Bei der Laboranalyse wird eine Futterprobe stark erhitzt, bis alle organischen Bestandteile verbrannt sind, übrig bleibt der mineralische Rest, eben die Rohasche. Typische Werte liegen bei 1,5 bis 3 Prozent bei Nassfutter und 5 bis 8 Prozent bei Trockenfutter. Wichtig ist außerdem das Verhältnis von Kalzium zu Phosphor, das für deine Katze sinnvollerweise zwischen 1,1 zu 1 und 1,3 zu 1 liegen sollte.
Feuchtigkeit gibt an, wie viel Wasser im Futter steckt, meist 70 bis 80 Prozent bei Nassfutter und nur 6 bis 10 Prozent bei Trockenfutter. Dieser Unterschied erklärt auch, warum die Prozentwerte bei Protein oder Fett zwischen beiden Futterarten so unterschiedlich aussehen.
Warum Nassfutter und Trockenfutter schwer direkt vergleichbar sind
Viele Katzenhalter vergleichen Futtersorten einfach über die Prozentzahlen, und wundern sich, warum Trockenfutter oft viel höhere Protein- oder Fettwerte hat als Nassfutter. Der Grund liegt fast immer am Wassergehalt: Nassfutter besteht zum größten Teil aus Wasser, etwa 70 bis 80 Prozent, dadurch sind die Nährstoffe stärker "verdünnt". Trockenfutter enthält dagegen kaum Wasser, deshalb wirken die Nährstoffwerte deutlich höher.
Du kannst dir das ungefähr so vorstellen: Nassfutter ist eher wie eine Suppe, Trockenfutter eher wie ein trockener Keks. In einer Suppe wirken die Zutaten immer weniger konzentriert, weil so viel Flüssigkeit enthalten ist.
Ein Beispiel: Nassfutter mit 10 % Protein und 75 % Wasser wirkt neben Trockenfutter mit 30 % Protein und 8 % Wasser auf den ersten Blick deutlich eiweißärmer. Rechnest du das Wasser aber heraus und betrachtest nur den festen Anteil (die sogenannte Trockensubstanz), kann es sein, dass das Nassfutter ähnlich viel oder sogar mehr Eiweiß enthält als das Trockenfutter. Für dich als Katzenhalter reicht meist eine einfache Faustregel: Nassfutter wirkt wegen seines hohen Wasseranteils auf der Verpackung immer "schwächer", obwohl die tatsächliche Nährstoffmenge im festen Anteil durchaus vergleichbar sein kann.
Zusatzstoffe – was hinter diesen Angaben steckt
Zusatzstoffe werden einem Futter gezielt beigemischt, sie können Nährstoffe liefern, die Haltbarkeit verbessern oder für ein gleichmäßiges Aussehen und Aroma sorgen. Man unterscheidet grob drei Gruppen:
Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe liefern Nährstoffe, die für den Körper deiner Katze wichtig sind, etwa Vitamin A (Sehkraft, Haut, Immunsystem), Vitamin D3 (Calcium- und Knochenstoffwechsel), Vitamin E (Antioxidans), Taurin (lebenswichtig für Herz und Augen), Zink, Eisen oder Kupfer. Sie werden oft zugesetzt, weil solche Stoffe bei Herstellung oder Lagerung teilweise verloren gehen oder weil der Bedarf deiner Katze gezielt gedeckt werden soll.
Technologische Zusatzstoffe erfüllen eine technische Funktion, etwa Antioxidantien (schützen Fette vor dem Ranzig werden), Konservierungsstoffe (verlängern die Haltbarkeit), Emulgatoren (verbinden Fett und Wasser zu einer stabilen Mischung) oder Verdickungsmittel (sorgen bei Nassfutter für die Konsistenz).
Sensorische Zusatzstoffe beeinflussen Geruch, Geschmack oder Aussehen, also Aromastoffe und Farbstoffe.
Viele Katzenhalter reagieren auf das Wort "Zusatzstoffe" erst mal skeptisch, wichtig ist aber: Ihre Verwendung ist streng geregelt, nur zugelassene Stoffe dürfen eingesetzt werden.
Fazit: So liest du ein Etikett richtig
Verlass dich beim Vergleichen von Katzenfutter nicht auf die Vorderseite der Verpackung, sondern schau immer auf die Rückseite. Die Zusammensetzung zeigt dir, welche Zutaten in welcher Reihenfolge enthalten sind, die analytischen Bestandteile geben dir Auskunft über Protein-, Fett-, Faser- und Mineralstoffgehalt, wobei du Nass- und Trockenfutter wegen des unterschiedlichen Wassergehalts nicht direkt über die Prozentzahlen vergleichen solltest. Die Zusatzstoffe zeigen dir, welche Vitamine, Spurenelemente oder technischen Hilfsstoffe zusätzlich enthalten sind, und die Fütterungsempfehlung gibt dir eine grobe Orientierung, die du je nach Alter, Aktivität, Gewicht und Gesundheitszustand deiner Katze anpassen solltest.
Am Ende bleibt ein wichtiger Punkt: Jede Katze ist ein Individuum. Neben der Zusammensetzung spielen auch Verträglichkeit, Geschmack und der allgemeine Gesundheitszustand deiner Katze eine Rolle, wenn es darum geht, das passende Futter zu finden.
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