Katzenpocken – seltene Virusinfektion mit Ansteckungsgefahr für Menschen


Katzenpocken – seltene Virusinfektion mit Ansteckungsgefahr für Menschen

Katzenpocken gehören zu den eher seltenen Infektionskrankheiten bei Katzen, sollten aber trotzdem bekannt sein, denn das verantwortliche Virus kann auch auf Menschen übertragen werden. Der Name ist etwas irreführend: In den meisten Fällen wird die Erkrankung nicht durch ein reines Katzenvirus verursacht, sondern durch das Kuhpockenvirus aus der Gruppe der Orthopoxviren. Trotz seines Namens kommt es heute kaum noch bei Rindern vor, sein natürlicher Wirt sind wildlebende Nagetiere wie Wühlmäuse, Waldmäuse oder Feldmäuse. Katzen infizieren sich meist zufällig bei der Jagd und werden damit zu einem sogenannten Fehlwirt.

Ansteckung und Risikogruppen

Die meisten Infektionen entstehen beim Fang einer infizierten Maus. Das Virus gelangt über kleine Verletzungen in die Haut, etwa durch Bisse, Kratzer oder Verletzungen im Maul beim Fressen der Beute. Deshalb zeigen sich erste Veränderungen häufig an Vorderpfoten, Kopf oder im Maulbereich. Besonders gefährdet sind Freigänger mit starkem Jagdtrieb, vor allem in ländlichen Gebieten, sowie junge oder immungeschwächte Katzen, etwa mit FIV oder FeLV. Wohnungskatzen ohne Kontakt zu Nagetieren haben nur ein sehr geringes Risiko. Die meisten Fälle treten im Spätsommer und Herbst auf, wenn die Mäusepopulation besonders groß ist.

Symptome

Nach der Ansteckung dauert es meist acht bis zwölf Tage, bis erste Hautveränderungen sichtbar werden. Zunächst entsteht oft nur eine einzelne Stelle an der Eintrittsstelle des Virus, später können weitere Stellen am Körper hinzukommen. Typisch sind kleine gerötete Knötchen, die sich zu Pusteln, offenen Geschwüren oder festen Krusten entwickeln und trotz normaler Behandlung nur langsam oder gar nicht heilen. Bei einem milden Verlauf bleiben die Symptome auf die Haut beschränkt. Breitet sich die Infektion stärker aus, können Fieber, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und geschwollene Lymphknoten dazukommen. Eine besonders ernste Komplikation ist die Beteiligung der Lunge, erkennbar an schneller oder angestrengter Atmung, Husten oder bläulichen Schleimhäuten. Eine Katze, die mit geöffnetem Maul atmet oder sichtbar um Luft ringt, braucht sofort tierärztliche Hilfe.

Diagnose

Allein am Aussehen lässt sich die Erkrankung nicht sicher erkennen, da viele andere Hautprobleme ähnlich aussehen können, etwa Bisswunden, Pilzinfektionen oder Abszesse. Der Verdacht wird wahrscheinlicher, wenn die Katze Freigang hat, regelmäßig jagt und die Wunden trotz Behandlung nicht abheilen. Zur Bestätigung wird meist eine PCR-Untersuchung von Krustenmaterial oder Wundabstrichen durchgeführt, manchmal ergänzt durch eine Gewebeuntersuchung. Krusten sollten dabei nie selbst zu Hause entfernt werden, das gehört in tierärztliche Hände.

Behandlung

Eine zugelassene Standardbehandlung gegen das Virus selbst gibt es nicht. Leichte Fälle können von selbst ausheilen, trotzdem ist tierärztliche Betreuung wichtig. Unterstützend werden Wunden versorgt, bei Bedarf Schmerzmittel gegeben und, falls sich Bakterien in den offenen Stellen angesiedelt haben, Antibiotika eingesetzt, diese wirken aber nicht gegen das Virus selbst. Bei schweren Verläufen kommt manchmal felines Interferon Omega zum Einsatz, die Erfahrungen dazu stammen aber nur aus kleinen Fallserien. Wichtig: Kortison sollte auf keinen Fall ohne tierärztliche Anweisung gegeben werden, es kann die Virusvermehrung fördern und den Verlauf deutlich verschlechtern.

Pflege zu Hause und Hygiene

Eine erkrankte Katze sollte in einem gut zu reinigenden Raum mit eigenem Napf und eigener Toilette untergebracht und von anderen Tieren getrennt werden, bis alle Wunden vollständig abgeheilt sind. Das kann mehrere Wochen dauern. Beim Umgang helfen Einmalhandschuhe und gründliches Händewaschen nach jedem Kontakt, Krusten sollten nie mit bloßen Händen berührt werden.

Ansteckungsgefahr für Menschen

Katzenpocken sind eine Zoonose, das Virus kann also von der Katze auf den Menschen übergehen, meist über Kontakt mit Wundsekret oder Krusten. Beim Menschen entsteht dabei oft eine begrenzte Hautveränderung, die als Knoten beginnt und später verkrustet, manchmal begleitet von Fieber oder Gliederschmerzen. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa nach Organtransplantation oder während einer Chemotherapie, sie sollten den Kontakt zu einer betroffenen Katze meiden.

Prognose und Vorbeugung

Bei ansonsten gesunden Katzen mit begrenzten Hautveränderungen ist die Prognose meist gut, die Heilung dauert etwa vier bis fünf Wochen. Schlechter sieht es bei jungen, immungeschwächten oder an der Lunge erkrankten Tieren aus. Eine Impfung gegen Katzenpocken gibt es nicht. Vorbeugen lässt sich vor allem, indem man den Kontakt zu Nagetieren reduziert, etwa durch Bekämpfung von Mäusen im Haus und Nichtliegenlassen von Futterresten im Freien.

Bei Verdacht auf Katzenpocken sollte die Katze grundsätzlich von Anfang an einem Tierarzt vorgestellt werden, unabhängig davon, wie ausgeprägt die Hautveränderungen sind. Nur so lässt sich frühzeitig klären, ob es sich tatsächlich um diese Erkrankung handelt und ob weitere Untersuchungen oder eine Behandlung nötig sind. Am besten kündigt man den Verdacht vorher telefonisch an, damit die Praxis entsprechende Schutzmaßnahmen treffen kann.



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