Motor Lesemotivation


Der Artikel zeigt sehr gut drei der wichtigsten Ursachen auf, warum Kinder und Jugendliche heute schlechter lesen als früher. Mir fehlt hier aber der Blick auf unser kaputtes Schul- und Bildungssystem als eine weitere Ursache.
Die Digitalisierung als Ursache ist jedenfalls nicht zu unterschätzen und hier liegt meines Erachtens nach der Unterschied zu früheren Zeiten. Das Schulsystem direkt nach dem Krieg war ebenfalls desastreus und trotzdem haben die Kinder Lesen und Schreiben gelernt. Ich habe in meiner Praxis für Legasthenietherapie jeden Tag mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die sich mit dem Lesen und Schreiben schwertun. Nicht alle haben eine Legasthenie. Ich sehe häufig wohlhabende Elternhäuser, in denen es viele Bücher gibt. Beide Eltern lesen und die Kinder sind von Kleinauf mit Büchern großgeworden. Trotzdem sind manche dieser Kinder nicht für das Lesen zu begeistern, obwohl keine Lesestörung vorliegt. Ich habe hierzu meine eigene Theorie.
Der Mensch hat sich schon immer mit Geschichten umgeben. Geschichten sind geistige Nahrung. Kinder waren hier lange Zeit in einer gewissen Abhängigkeit. Sie waren auf Erwachsene angewiesen, die ihnen Geschichten erzählten und Bücher vorlasen. War der Erwachsene nicht da, musste das Kind geduldig warten, bis es weiterging. Daraus entwickelt sich eine sehr starke Motivation. Wenn ich nicht mehr abhängig sein möchte, dann muss ich selber Lesen lernen. Durch die Motivation erwuchsen Ausdauer und Durchhaltevermögen.
Ich selber bin ein Kind der 70ger/80ger und mir ging es genau so. In meiner Zeit gab es schon Hörspiele auf Kassetten, aber auch die waren rar. Doch dann ging eine Entwicklung los mit weitreichenden Folgen für den Leseerwerb. In vielen Haushalten gab es irgendwann nicht nur einen Fernseher, sondern mehrere. Nicht wenige Kinder hatten einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer. Etwas später nahm die Digitalisierung immer weiter Fahrt auf. Gameboy, Spielkonsole, Smartphone.
Lesenlernen ist am Anfang sehr anstrengend. Wer die notwendige Ausdauer dafür nicht aufbauen kann, der wird sein Bedürfnis nach Geschichten anderweitig erfüllen. In diesem Dilemma stehen unsere Kinder heute. Geschichten sind heute unbegrenzt und ohne Anstrengung verfügbar – Lesenlernen ist aber mühsam. Warum anstrengen, wenn die Belohnung gratis woanders liegt?
Ich denke, das ist einer der wichigsten Aspekte, wenn es um den heutigen Leseerweb geht. Durch die fehlende oder sehr schnell abflauende Motivation müssen viele Kinder heute sehr viel länger unterstützt und begleitet werden, wenn sie zu eigenständigen und begeisterten Lesern werden sollen. Es hilft nichts, zu sagen, dass die Kinder früher auch Lesen gelernt haben und das mit oftmals weit weniger Unterstützung. Ja - aber sie hatten etwas sehr Wertvolles: Einen Mangel an Geschichten.

#Leserwerb #Lesemotivation #Grundschule #FediLZ #Fedieltern

news4teachers.de/2025/07/zwei-…

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Als Antwort auf Sabine Kruber

Meine Mutter hat mir auch vorgelesen und trotzdem lese ich nicht gerne. Habe nie Bücher verschlungen, musste mich immer dazu durchringen, sie fertig zu lesen.
Mein Bruder und meine Mutter waren da ganz anders. Meine Mutter war übrigens auch Lehrerin. Trotzdem lese ich immer noch nicht gerne. Ich tue es, wenn ich muss.
Ich habe studiert und dort viel gelesen, aber lesen an und für sich ist nicht mein liebstes Medium. Ich habe auch keine Leseschwäche.
Als Antwort auf Chuculati

Ich habe auch nicht übermässig viel ferngesehen. Ich denke einfach, dass es wie mit allen Hobbys ist: Nicht jeder tut es gerne.
Manche Leute sollten womöglich mehr lesen, weil sie es brauchen.
Ich kenne trotzdem genügend Vielleser, deren Grammatik und Orthografie stark zu wünschen übrig lässt.
Ich kann allerdings nicht digital lernen. Mache alles mit Stift und Papier. Das Schreiben macht für mich einen grösseren Unterschied als das Lesen.
Als Antwort auf Chuculati

Wäre jetzt mal interessant zu erfahren, ob Du eine Beziehung zu Geschichten in einem anderen Kontext auslebst oder ob Du mit Geschichten wirklich nicht so viel anfangen kannst. Es gibt wirklich Menschen, die in ihrem Leben nie einen Bezug zu Geschichten auf welchem Weg auch immer herstellen können.

Übrigens, dass Vielleser auch gut in Rechtschreibung sein müssen, ist ein Irrtum. Auch der Tipp, lies mehr, dann machst Du beim Schreiben weniger Rechtschreibfehler, funktioniert nicht. Das hat damit zu tun, dass die Gehirnaktivitäten beim Lesen und Schreiben unterschiedlich sind. So gibt es z.B. isolierte Schreibstörungen und isolierte Lesestörungen.

Als Antwort auf Sabine Kruber

Ich schaue durchaus gerne Filme an, das sind ja Geschichten.

Meine Mutter hatte mir sogar den ersten Harry Potter vorgelesen und trotzdem wollte ich lieber die Filme schauen als die Bücher überhaupt anschauen.
Mein Bruder hat alle Bücher in der ersten Woche nach Erscheinung durchgelesen.
Ich würde ja sogar gerne lesen, aber ich habe einfach nie Lust darauf.

Ich habe sogar fast immer ein Buch dabei. Dasselbe seit mehr als einem Jahr 😅

Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (Samstag, 24. Oktober 2026, 23:44)
Als Antwort auf Sabine Kruber

Hast Du mal Deine Lesegeschwindigkeit gemessen? Wenn Du auf der einen Seite gerne ein Buch lesen würdest, auf der anderen Seite aber keine Lust dazu verspürst, also die Motivation nicht aufbringen kannst, könnte es auch am Lesetempo oder an der Aufmerksamkeit liegen. Das Lesetempo beim stillen Lesen sollte bei durchschnittlich 250ms pro Wort liegen.
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