Woher kommt die Tigermücke – und wie funktioniert die Übertragung von Krankheiten wirklich?


Woher kommt die Tigermücke – und wie funktioniert die Übertragung von Krankheiten wirklich?

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist ursprünglich in Südostasien beheimatet, hat sich aber in den letzten Jahrzehnten über die ganze Welt verbreitet. Nach Europa gelangte sie hauptsächlich über den internationalen Warenverkehr. Ein großer Teil der Einschleppung geht auf den Handel mit gebrauchten Autoreifen zurück: In den kleinen Wasseransammlungen im Reifeninneren legen die Weibchen ihre Eier ab, die dann unbemerkt mit den Reifen um die Welt reisen.

Auch der Pflanzenhandel spielt eine Rolle, etwa beim sogenannten Glücksbambus, der häufig in Wasser transportiert wird und in dem sich Mückenlarven halten können. Dazu kommt ganz normaler Reiseverkehr: Eier oder Larven können im Gepäck oder im Kofferraum von Reisenden mitreisen, die aus Regionen zurückkehren, in denen die Tigermücke bereits heimisch ist, etwa aus Süd- und Südosteuropa.

Wichtig zu wissen: Wenn die Tigermücke auf diesem Weg nach Deutschland gelangt, ist sie zu diesem Zeitpunkt völlig frei von Krankheitserregern. Ein Ei oder eine Larve kann gar nicht infiziert sein, das ist biologisch ausgeschlossen. Auch eine frisch geschlüpfte Mücke bringt keinerlei Viren mit. Sie ist zunächst eine ganz gewöhnliche Mücke, die sich lediglich durch ihre Herkunft und ihr Aussehen von den heimischen Arten unterscheidet.

Damit eine Tigermücke in Deutschland überhaupt eine Krankheit wie Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Fieber weitergeben kann, müssen mehrere Voraussetzungen zusammenkommen. Zuerst braucht es einen Menschen, der sich im Ausland mit einem dieser Viren angesteckt hat, meist auf einer Reise in ein Risikogebiet, und der nach der Rückkehr noch das Virus im Blut trägt. Dieses Zeitfenster ist recht kurz, in der Regel nur wenige Tage. Sticht in genau dieser Zeit eine Tigermücke diesen Menschen, nimmt sie das Virus mit dem Blut auf. Erst danach, nach einer weiteren Entwicklungszeit im Inneren der Mücke, kann sie den Erreger über ihren Speichel beim nächsten Stich an eine andere Person weitergeben.

Fehlt einer dieser Schritte, kann schlicht nichts passieren. Solange es also in der Umgebung keinen infizierten Reiserückkehrer gibt, können die hier lebenden Tigermücken noch so viele Menschen stechen, ohne dass eine Übertragung stattfindet. Genau das erklärt auch, warum die Fälle in Europa bislang selten sind und meist nur kleine, örtlich begrenzte Häufungen betreffen, etwa in Teilen Italiens oder Frankreichs.

Die Gesundheitsbehörden beobachten die Ausbreitung der Tigermücke dennoch aufmerksam, denn mit steigenden Temperaturen und mehr Reiserückkehrern aus betroffenen Regionen wächst auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich einmal alle diese Voraussetzungen gleichzeitig erfüllen.

Die reißerischen Schlagzeilen sollte man daher mit etwas Abstand betrachten, denn ein Blick auf die tatsächlichen Zusammenhänge nimmt vielen Berichten die Schärfe.

Makroaufnahme einer Asiatischen Tigermücke auf menschlicher Haut. Gut erkennbar sind der schwarz-weiß gezeichnete Körper, die gebänderten Beine, die feinen Fühler und der Stechrüssel. Der Hinterleib ist nach der Blutaufnahme deutlich rötlich gefüllt, der Hintergrund ist weich grün verschwommen.

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