Queere Bibelauslegung
Gestern auf dem CSD in Coburg trug jemand ein Schild, das den Kennern der einzig wahren Wahrheit wenig gefallen dürfte:
Gott*in schuf MENSCHEN, nicht einen Mann und eine Frau, sondern Menschen insgesamt und zwar "männlich und weiblich". Über die Verteilung dieser Attribute auf Einzelpersonen ist damit noch nichts gesagt. Und, der eigentliche Skandal: Nach seinem/ihren Ebenbild. Gott ist weder männlich, noch weiblich. Jedenfalls nichts davon ausschließlich.
Dann die Rückseite des Schildes:
Dina, Jakobs Tochter, war lesbisch. Das ist etwas verkürzt ausgedrückt, wenn man nur den Bibeltext liest. Es gibt jedoch bereits alte jüdische Traditionen, die einen Vers so auslegen, nach dem Dina sich "unter den Töchtern des Landes umgesehen" hat. Was genau gab's da zu sehen? Ging sie auf Partnerinnensuche? Muss nicht sein, kann aber. Die Bibel lässt es offen.
Josef, ein Bruder Dinas, war extrem stolz auf sein langes buntes Gewand, das im Wortsinne ein Kleid 👗 gewesen sein kann. Ebenfalls in alten jüdischen Auslegungen wird Josef als sehr feminin und schön beschrieben, er habe sich gern die Augen geschminkt und er sei eigentlich weiblich gedacht gewesen. Wohlgemerkt, das ist keine ultramoderne neue Interpretation, sondern was jüdische Gelehrte (nicht alle, aber einzelne) schon vor Jahrhunderten geschrieben haben.
Dass König David bi war, sieht man daran, dass er sich einerseits einen ganzen Harem von Frauen gehalten hat, andererseits aber für den jungen Prinzen Jonathan geschwärmt hat. Die beiden haben sich geküsst und miteinander geweint. David sagt: "Deine Liebe ist mir wundersamer als Frauenliebe." Jonathan selbst war offenbar schwul. Auch das ist keine neue Interpretation. Die Bibel ist VIEL pluraler, als christliche Fundamentalisten uns glauben machen wollen.
#bibel #queer #gott