Homöopathie - Warum wir Besserung sehen, obwohl nichts wirkt (Placebo by Proxy)


Homöopathie - Warum wir Besserung sehen, obwohl nichts wirkt (Placebo by Proxy)

Homöopathie - Warum wir Besserung sehen, obwohl nichts wirkt

"Aber meiner Katze ging es nach den Globuli wirklich besser!" Diesen Satz hört man oft, und er ist ehrlich gemeint. Die Erklärung hat nichts mit Dummheit oder schlechter Beobachtung zu tun, sondern mit ganz normaler Psychologie. Und sie betrifft nachweislich auch Tierärzte.

Das Tier erwartet nichts, aber wir schon

Eine Katze weiß nicht, dass sie ein Mittel bekommt, sie hat also keine Erwartung, die sich erfüllen könnte. Anders ist es bei uns Menschen. Wir hoffen auf Besserung, schauen genauer hin und bewerten Veränderungen positiver. Fachleute nennen das den Besitzer-Placeboeffekt oder "Placebo by Proxy", also ein Placebo über Stellvertreter. Gemessen wird die Besserung nämlich fast immer an unserer Einschätzung, nicht am Tier selbst.

Was die Studien zeigen

In einer Studie mit 58 Hunden mit Gelenkproblemen bekamen alle Tiere nur ein Placebo. Trotzdem sahen knapp 40 Prozent der Besitzer und bis zu rund 45 Prozent der Tierärzte eine Besserung. Die Kraftmessplatte, die das Gangbild objektiv misst, zeigte dagegen keine Veränderung. Bei Katzen mit Gelenkschmerzen war es ähnlich: Nach Einschätzung der Halter galten 54 bis 74 Prozent der Placebo-Katzen als gebessert, nach gemessener Aktivität nur 10 bis 63 Prozent.

Was dahintersteckt

- Erwartung und Bestätigung. Wer auf Besserung hofft, registriert jedes kleine Plus sofort und übersieht Rückschritte eher.
- Mehr Zuwendung. Wer eine Behandlung gibt, kümmert sich meist auch mehr: genauer hinschauen, öfter streicheln, für Ruhe sorgen. Das tut einer Katze tatsächlich gut, allerdings unabhängig vom Mittel.
- Regression zur Mitte. Beschwerden schwanken, und man behandelt meistens auf dem Höhepunkt. Danach wird es statistisch ohnehin besser, ganz ohne Behandlung.
- Der natürliche Verlauf. Viele Beschwerden wie leichter Durchfall, kleine Prellungen oder Stress klingen von selbst ab.
- Keine Konditionierung. Bei Menschen kann ein Körper lernen, auf ein bekanntes Mittel zu reagieren. Bei Katzen fehlt dafür meist die Vorerfahrung mit einem echten Wirkstoff, die Wirkung läuft also über uns, nicht über die Katze.

Warum das wichtig ist

Das eigentliche Problem ist nicht, dass Halter sich besser fühlen. Es ist die Gefahr, dass eine echte Erkrankung dadurch zu spät behandelt wird, weil sich scheinbar alles bessert. Katzen verbergen Schmerzen ohnehin gut, deshalb ist das bei ihnen besonders tückisch.

Was helfen kann: Beschwerden möglichst objektiv festhalten, zum Beispiel mit Gewicht, Trinkmenge, Fressverhalten und Aktivität, am besten in einem kleinen Tagebuch. Und bei allem, was länger anhält oder schlimmer wird, den Tierarzt fragen, statt auf eine gefühlte Besserung zu vertrauen.

Ein Trost bleibt: Die Zuwendung, die wir kranken Katzen ohnehin schenken, ist echt und wirkt. Sie braucht nur keine Globuli dazu.


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