„Tod und Sterben“
Sei nicht zu voreilig mit einem Todesurteil. Denn viele, die leben, verdienen den Tod. Und viele, die tot sind, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben?
Gandalf zu Frodo, Der Herr der Ringe
Warum ich einen Beitrag zum Thema „Tierschutz“ mit einem Filmzitat beginne, hat zwei Gründe: 1. Ich bin ein Fan. 2. Gandalf bringt es auf den Punkt, was mir auf den Nägeln brennt.
Eigentlich jeder, der mit Katzen lebt, wird irgendwann einmal mit dem Thema „Tod und Sterben“ konfrontiert. Einfach deshalb, weil die Lebenszeit dieser Spezies kürzer ist als die der Menschen.
Also betrifft dieses Thema auch Leute, die im Tierschutz aktiv sind. Aus meiner Sicht sogar weitaus intensiver, da Tierheime und Pflegestellen zunehmend zu einem Auffangbecken für diejenigen Tiere werden, die sich nicht mehr verkaufen und weiter reichen lassen. Und da Transparenz gewünscht und – gerade bei kranken Tieren – unfassbar wichtig ist, um Spender und Paten zu gewinnen, wird berichtet. Über die Katzen, über die Behandlungsverläufe sowie anstehende Diagnostik und Behandlungen. Und natürlich auch, wenn ein Notfellchen trotz aller Bemühungen verstorben ist bzw. eingeschläfert werden muss.
Für die Leute, die sich als Pflegestelle um entsprechende Katzen kümmern, bedeuten diese besonderen Notfellchen eine Mehrbelastung, die teilweise erheblich sein kann. Tierarztbesuche und Fahrten zu Kliniken kosten nun mal echt viel Zeit. Ebenso die regelmäßige Medikamentengabe, Putz-Aktivitäten, Nachtwachen …
Und natürlich ist es eine psychische Belastung, wenn man ein Tier mit einer infausten (unausweichlich tödlichen) Prognose, einer chronischen Erkrankung oder einer Beeinträchtigung betreut bzw. sich die als gesund angekündigte Privatabgabe als riesige „Baustelle“ erweist. Ich habe mal gesagt, dass ich sofort aus dem aktiven Tierschutz aussteige, wenn ich nicht mehr um ein Tier weinen kann.
Was aber meiner Meinung nach eine nicht zu unterschätzende Zusatzbelastung darstellt, ist der Umstand, dass die öffentliche Präsentation der Sorgenfellchen quasi sofort dazu führt, dass man sich mit folgenden Reaktionen auseinandersetzen muss:
- Forderung der möglichst baldigen Euthanasie, um das Tier von seinen Qualen zu erlösen
- Hinweise, dass man mit den Kosten für diese Behandlungen zig anderen Tieren helfen könnte
- Vorwürfe, weil man ein Tier nicht in Ruhe sterben lässt, sondern es durch die Gegend karrt
- Unterstellung, dass man Tierleid nutzt, um Kohle zu scheffeln
- Behandlungs- und Klinikvorschläge (teilweise richtig hilfreich, mitunter aber auch schräg)
- Bejubeln der Pflegestelle als Held
- Einfordern – möglichst täglicher! – Updates
- Hinweise, dass Euthanasie generell Mord ist und man ein Tier umbringt, nur weil es zu teuer oder zu anstrengend wird
Wenn ihr euch die Liste durchlest, werdet ihr merken, dass Tierschutz-Aktive eigentlich keine Chance haben, irgendetwas richtig zu machen. Und auch das – mit Sicherheit lieb gemeinte – Bejubeln erhöht den Druck. Mal ganz davon abgesehen, dass es Unmengen an Pflegestellen oder Tierheim-Mitarbeitern gibt, die gerade um ein Notfellchen kämpfen. Nur berichten sie nicht davon.
Ja, es ist verdammt schwer, die Balance zwischen dem Kampf um ein Leben und der Begleitung Richtung Tod zu finden. Bei diesem Prozess ist es echt nicht hilfreich, wenn Leute meinen, anhand eines Fotos oder Videos sowie kurzer Berichte den einzig richtigen Weg zu kennen und das energisch kundtun.
Woher kommt dieses Wissen, wenn die Menschen, die tagtäglich mit dem jeweiligen Sorgenfellchen zu tun haben, permanent nach einem guten Weg suchen? Immer wieder überlegen, ob das, was sie tun bzw. an Behandlungen zulassen, (noch) gut für ihren Schützling ist?
Wahrer Mut ist nicht, ein Leben nehmen zu können, sondern es zu bewahren.
Gandalf zu Bilbo, Der Hobbit
Aber ebenso ist es mutig, sich einzugestehen, dass man am Ende eines gemeinsamen Weges angelangt ist und es Zeit ist, in Liebe Abschied zu nehmen. Egal, was Außenstehende dazu zu sagen haben.
Auf dem Foto seht ihr Krümel, einen ehemaligen Pflegekater der Maine Coon Hilfe e.V. Er ist heute sechs Jahre alt und wurde von einer Tierärztin der Tierärztlichen Hochschule Gießen adoptiert, die mit dazu beigetragen hat, sein Leben zu retten.
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Quelle: Bettina Fecher (Facebook Beitrag)
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