Die Katzen der Eremitage


Die Katzen der Eremitage

Die Eremitage in St. Petersburg ist eines der größten und berühmtesten Museen der Welt. Millionen von Kunstwerken lagern hinter den Mauern des ehemaligen Winterpalastes: Gemälde, Skulpturen, Münzen und Handschriften. Weniger bekannt ist, wer sie bewacht: Katzen. Sie leben seit Jahrhunderten im Haus, und für viele Besucher gehören sie längst genauso zur Eremitage wie die berühmten Gemälde.

Wie alles begann
Der Überlieferung nach brachte schon Peter der Große einen Kater namens Vasily von einem niederländischen Kaufmann mit. Das Jahr ist nicht bekannt. Fest steht, dass Kaiserin Elisabeth im Herbst 1745 anordnete, Katzen aus Kasan an den Hof zu bringen. Verlangt wurden die größten und besten Mäusefänger, denn die Mäuse und Ratten im Winterpalast waren eine Plage. Wie viele Katzen es genau waren, darüber gehen die Angaben auseinander, je nach Quelle sind es fünf, 30 oder 37.

Unter Katharina der Großen galten die Katzen dann offiziell als Hüter der Gemäldegalerien. Auch nach der Oktoberrevolution 1917, als der Winterpalast zum Staatlichen Museum wurde, blieben sie im Dienst. Laut Russia Beyond bewachten sie die Keller auch in Kriegszeiten. Zwischendurch versuchte man es einmal mit Chemikalien gegen die Ratten, aber nur die Katzen waren auf Dauer wirklich erfolgreich.

Die schwerste Zeit
Die Belagerung Leningrads von 1941 bis 1944 überlebten die Katzen nicht, der Bestand der Eremitage wurde praktisch ausgelöscht. Danach zogen die Ratten in die Keller, und das war nicht nur für die Kunstwerke gefährlich, denn Ratten übertragen auch Krankheiten. Berichten zufolge holte man deshalb neue Katzen aus Jaroslawl, Tjumen und anderen Städten, laut Russia Beyond etwa 5.000 Tiere, die mit dem Zug nach Leningrad kamen. In Tjumen erinnert ein Denkmal daran. Ihre Nachkommen leben noch heute in der Eremitage. Das Personal sagt, es habe nie eine Ratte gesehen.

Wo die Katzen leben
Die Katzen leben in den Kellern der Eremitage, die insgesamt viele Kilometer lang sind. In die Ausstellungssäle dürfen sie nicht. Die Zahl lässt sich nur schwer genau sagen, denn die Katzen streifen herum, und manche kommen nur zum Mittagessen. Das Museum hält den Bestand bei etwa 50 Tieren, damit jede genug Platz und Pflege bekommt. Früher waren es zeitweise mehr: 2010 etwa 60, 2013 sogar 74.

Wer die Katzen kennt, kennt auch ihre Namen. Zu den bekannten zählen laut Russia Beyond Lushka, ein schwarzer Kater mit weißen Handschuhen, Mawrik, eine große schwarz-weiße Katze, und General, der auf „Kitty, kitty" nicht reagiert. Streuner, die sich in den Keller verirren, werden übrigens nicht verscheucht.

Gut versorgt
Heute geht es den Katzen gut. Jede hat einen eigenen Pass und eine tierärztliche Akte. Sie werden geimpft, behandelt und kastriert. Es gibt eigene Küchen für die Futterzubereitung, ein kleines Pflegezentrum für kranke Katzen, Betreuer und Freiwillige sowie eine Pressesprecherin. Ein kleiner Wohltätigkeitsfonds hilft bei den Kosten.

Das war nicht immer so. Ende der 1990er Jahre lebten die Tiere noch in schlechten Verhältnissen, bis Maria Halttunen ein Pflegeprogramm startete. Seit 2007 vermittelt das Museum einzelne Katzen auf Antrag an neue Besitzer, vorher werden sie geimpft und kastriert.

Katzen in Öl
2013 beauftragte das Museum den usbekischen Künstler Eldar Zakirov, die Katzen zu malen. Entstanden ist die Serie „Cats of the Hermitage", digitale Ölgemälde, auf denen die Katzen in den Kostümen des zaristischen Hofes zu sehen sind.

Der Tag der Eremitage-Katzen
Einmal im Jahr gehört das Museum den Katzen. Seit 2005 wird der Tag regelmäßig gefeiert, seit 2011 steht er im offiziellen Veranstaltungskalender des Museums. Je nach Quelle findet er zwischen April und Anfang Juni statt, das Datum ändert sich also. Dann öffnen sich die Keller und Dachböden, die sonst für Besucher gesperrt sind, und es gibt Ausstellungen, Spiele, Quiz und Kinderprogramme.

Die Katzen der Eremitage sind längst ein Symbol der Stadt geworden. Sie erinnern daran, dass hinter großer Kunst auch kleine, lebendige Geschichten stecken.

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