Hi, a question for my German followers🇩🇪

Warum hört man in Deutschland ständig vom Ärztemangel, während es für einen Arzt aus der Ukraine offenbar trotzdem schwierig ist, eine Stelle zu finden?

Was mich dabei besonders wundert: Das System scheint nicht darauf ausgelegt zu sein, Ärzte möglichst schnell in ein Arbeitsumfeld zu bringen, in dem sie Sprache, Abläufe und das Gesundheitssystem lernen können.

Ist das ein allgemeines Problem oder erleben wir das nur hier in Sachsen?

Als Antwort auf Iryna Voichuk

das ist ein Problem auf mehreren Ebenen:

- die formale Anerkennung wer als Ärzt_in arbeiten darf benachteiligt nicht-EU-Ärzt_innen enorm und das ist gewollt

- die Anzahl der "Kassensitze" (d.h. die welche Rechnungnen an die Gesetzliche Krankenversicherung stellen dürfen) ist begrenzt

- Sachsen ist besonders scheisse (das trifft in fast allen Bereichen zu)

Als Antwort auf Iryna Voichuk

Das ist eine generelle Obsession mit der angenommenen Überlegenheit des deutschen Bildungssystems, nicht in D. erworbene Abschlüsse können quasi nichts taugen und müssen entweder nachgeholt oder in langwierigen bürokratischen Verfahren anerkannt werden. Beides dauert schätzungsweise gleich lang und ja, es ist hochgradig bekloppt.

Phil Marlowe hat dies geteilt.

Als Antwort auf Iryna Voichuk

Manchmal denke ich das solche Dinge mit Absicht geschehen um das Gesundheitssystem aber auch andere Bereiche zu verschlechtern damit die Unzufriedenheit in der Bevölkerung zunimmt.
Damit ihnen dann die rechtskonservativen Populisten Sündenböcke und einfache Lösungen anbieten können.

Phil Marlowe hat dies geteilt.

Als Antwort auf Iryna Voichuk

Das Problem ist multifaktorell.
Zum einen fehlen häufig bestimmte Fachärzt·innen in einigen Regionen.
Dazu kommt, dass die Verteilung der Kassensitze auf einem total veralteten Stand ist.
Oben drauf kommt dann die Budgettierung der gesetzlichen Krankenkassen, die dann die Bevorzugung von Privatversicherten bei einigen Fachrichtungen, wenn nicht sogar beinahe allen, begünstigt und zu längeren Wartezeiten bei den gesetzlich Versicherten führt.
1/2
Als Antwort auf Iryna Voichuk

Weil wir dumm und eingebildet sind. Wir denken dass die ganze Welt nach Deutschland will. Dabei ist Deutschland für ausländische Arbeitskräfte einer der schlimmsten Orte im Westen. Nicht umsonst denken die meisten darüber nach, in ein anderes Land weiter zu gehen, wo sie besser behandelt werden.

Wir bekämpfen imaginäre Probleme indem wir es jedem maximal schwer machen Arbeit zu finden. Und dann beschweren wir uns, dass viel zu wenige Arbeit finden.

Unser Sozialsystem ist darauf ausgelegt Menschen in unterbezahlte schlechte Jobs zu zwingen und zu schikanieren. Die Angst davor ist anscheinend gewollt und Menschen dazu zu bringen, schlechte Arbeitsverhältnisse zu akzeptieren anstatt dass sie sich eine bessere Arbeit suchen.

Um es abstrakt zusammen zu fassen: wir lassen 100 Kinder hungrig, weil wir denken dass eines davon ungerechtigterweise etwas zu essen bekommt.

Phil Marlowe hat dies geteilt.

Als Antwort auf Iryna Voichuk

@Iryna Voichuk Ich denke, das Problem ist leider größer als Sachsen allein.

Deutschland hat zwar einen Ärztemangel – besonders auf dem Land –, gleichzeitig ist der Weg für ausländische Ärztinnen und Ärzte oft sehr bürokratisch. Anerkennung von Abschlüssen, Sprachprüfungen, Approbation und unterschiedliche Zuständigkeiten der Behörden können viele Monate oder sogar länger dauern. In dieser Zeit fehlen oft Möglichkeiten, bereits unter Anleitung praktische Erfahrungen im deutschen Gesundheitssystem zu sammeln.

Gerade Sachsen kämpft zusätzlich mit einem besonders großen Mangel an Haus- und Fachärzten, vor allem im ländlichen Raum. Umso unverständlicher wirkt es, wenn gut ausgebildete Ärzte nicht schneller integriert werden.

Ob die gesellschaftliche Stimmung ebenfalls eine Rolle spielt, kann ich nicht beurteilen. In Sachsen gibt es leider Regionen, in denen prorussische Positionen stärker verbreitet sind als anderswo. Ich hoffe jedoch sehr, dass Personalentscheidungen in Krankenhäusern und Praxen nach Qualifikation und nicht nach Herkunft oder politischen Vorurteilen getroffen werden.

Aus meiner Sicht würde das deutsche Gesundheitssystem davon profitieren, wenn qualifizierte Ärztinnen und Ärzte aus der Ukraine schneller eine Möglichkeit bekämen, gemeinsam mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen in Kliniken oder Praxen zu arbeiten. So könnten sie Sprache, Abläufe und die Besonderheiten unseres Gesundheitssystems direkt in der Praxis lernen.