Katzen - Paarung
Wie die Paarung bei Katzen funktioniert
Die Paarung bei Katzen ist biologisch gesehen ein faszinierendes, wenn auch für uns Menschen recht wild wirkendes Zusammenspiel aus Anatomie und Hormonen. Der entscheidende Unterschied zum Menschen besteht darin, dass bei der Kätzin kein regelmäßiger Eisprung von selbst stattfindet. Ihr Körper wartet stattdessen auf ein ganz bestimmtes Signal.
Rollige Katze mit Kater
Werfen wir einen Blick auf die Anatomie: Die Eierstöcke und die langen Gebärmutterhörner spielen bei der Paarung und der anschließenden Trächtigkeit die Hauptrolle.
Phase 1: Die hormonelle Vorbereitung (Die Rolligkeit)
Bevor es überhaupt zur Paarung kommt, sorgt das Hormon Östrogen dafür, dass die Kätzin rollig wird. In den Eierstöcken reifen Eibläschen heran, die immer größere Mengen dieses Hormons produzieren. Dadurch verändert sich ihr Verhalten deutlich. Sie reibt sich vermehrt an Gegenständen, rollt sich auf dem Boden, miaut oft laut und signalisiert den Katern in der Umgebung ihre Paarungsbereitschaft. Obwohl ihr Körper bereits auf Fortpflanzung eingestellt ist, verbleiben die Eizellen zunächst in einer Art Wartestellung.
Phase 2: Der mechanische Auslöser
Kommt es zur Paarung, dauert der eigentliche Deckakt meist nur wenige Sekunden. Dabei spielt eine besondere anatomische Eigenschaft des Katers eine wichtige Rolle. Sein Penis besitzt winzige, nach hinten gerichtete Hornstacheln aus Keratin, dem gleichen Material, aus dem auch Krallen bestehen.
Beim Eindringen verursachen diese Stacheln kaum Beschwerden. Beim Zurückziehen des Penis entsteht jedoch ein deutlicher Reiz an der Scheidenwand der Kätzin. Genau dieser Reiz ist der biologische Auslöser für die folgenden hormonellen Vorgänge. Deshalb stößt die Katze am Ende der Paarung häufig einen lauten Schrei aus und reagiert anschließend oft gereizt oder aggressiv gegenüber dem Kater.
Phase 3: Die induzierte Ovulation (Der ausgelöste Eisprung)
Der Reiz an der Scheidenwand löst einen Nervenimpuls aus, der über das Rückenmark an das Gehirn weitergeleitet wird. Dort reagiert die Hirnanhangdrüse und schüttet eine größere Menge des sogenannten Luteinisierenden Hormons (LH) aus. Dieser Vorgang wird als induzierte Ovulation bezeichnet. Das bedeutet, dass der Eisprung durch die Paarung ausgelöst wird.
• Nach etwa 24 bis 36 Stunden führt der LH-Anstieg dazu, dass die Eibläschen in den Eierstöcken aufplatzen und die reifen Eizellen freigesetzt werden.
• Mehrere Paarungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Eisprungs. Deshalb paaren sich rollige Katzen häufig mehrfach innerhalb kurzer Zeit. Jeder erfolgreiche Deckakt verstärkt die hormonelle Reaktion des Körpers.
• Spermien können im weiblichen Genitaltrakt mehrere Tage überleben. Dadurch ist eine Befruchtung auch dann noch möglich, wenn zwischen Paarung und Eisprung etwas Zeit vergeht.
Phase 4: Die Befruchtung und die Trächtigkeit
Nachdem die Eizellen freigesetzt wurden, wandern sie durch die Eileiter. Dort können sie auf die Samenzellen treffen, die bereits nach der Paarung in den weiblichen Geschlechtsapparat gelangt sind. Die Befruchtung erfolgt in diesem Bereich.
Die befruchteten Eizellen wandern anschließend weiter in die langen Gebärmutterhörner. Anders als beim Menschen entwickeln sich die Embryonen dort verteilt entlang beider Gebärmutterhörner. Dadurch steht jedem heranwachsenden Katzenwelpen ausreichend Platz zur Verfügung.
Die durchschnittliche Trächtigkeitsdauer der Hauskatze beträgt etwa 63 bis 65 Tage. Während dieser Zeit entwickeln sich die Katzenwelpen in den beiden Gebärmutterhörnern der Mutter.
Eine faszinierende Besonderheit
Da sich eine Kätzin während einer Rolligkeit mit mehreren Katern paaren kann und der Eisprung erst zeitversetzt erfolgt, können Samenzellen verschiedener Kater gleichzeitig zur Befruchtung gelangen. Deshalb kommt es gelegentlich vor, dass Kätzchen eines Wurfes unterschiedliche Väter haben. Die Jungtiere sind dann Halbgeschwister und können sich in Fellfarbe, Zeichnung und Körperbau deutlich voneinander unterscheiden.
Hinweis
Diese Darstellung dient der biologischen Aufklärung. Bei Fragen zur Kastration, zum Fortpflanzungsverhalten oder zu gesundheitlichen Problemen sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt gefragt werden.
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